Alte Oper Frankfurt

Frankfurter Museumskonzert: Schneidig schlank

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Dvoráks Violinkonzert und Bruckners Sechste im Museumskonzert.

Dass Widmungsträger Joseph Joachim, aber auch Pablo Sarasate – wie Joachim ein großer Name des damaligen geigerischen Virtuosentums – das Violinkonzert Antonín Dvoráks von 1882 nicht mochten: man konnte es im 4. Sinfoniekonzert der Frankfurter Museumsgesellschaft in der Alten Oper fast nachvollziehen.

Vielleicht weniger aus Gründen der formalen Gestaltung, die sich eher variativ-reihend als klassisch-durchführend im ersten Satz zeigt. Auch nicht der recht schönen Melodiezüge im Mittel- und der rhythmischen Brisanz im Finalsatz wegen. Es war die uninspirierte Darstellung, die dem Werk eigentlich in allen drei interpretatorischen Funktionen widerfuhr. Wobei man den etwas pauschalen, nicht immer intonatorisch lupenreinen, aber strahlkräftigen und unverschleierten Ton des 28-jährigen Solisten noch am ehesten verschmerzen konnte.

Yury Revich ist 1991 in Moskau geboren, war Debütant in der Carnegie Hall zusammen mit Daniil Trifonov im zarten Alter von 18 Jahren und 2016 mit dem Echo Klassik-Musikpreis in der Sparte „Nachwuchskünstler des Jahres“ ausgezeichnet worden. Und die Auflistung der gemeinnützigen Anliegen des Künstlers, ohne die heute offensichtlich kein Lebenslauf mehr auskommt, ist auch korrekt: etwa ein Konzert für die japanischen Tsunami-Opfer, eine Wohltätigkeitsgala „All for Autism“.

Mehr als nur ein wenig vor sich hin verlief sich im Tutti der gut 35-minütige Klangverlauf: ein Abtragen von Einsätzen, ein Erfüllen von Klanggebungspflichten. Sebastian Weigle hatte die Nase in den Noten und hielt eigentlich nur den blassen Faden in der Hand, der sich als klingendes Geschäft abwickelte. Ein Konzertauftakt im Zeichen artikulatorischer Müdigkeit, dem wohl nicht bloß ein typisches Ouvertüren-Warming-Up fehlte.

Zumindest hatte das Orchester nach der Pause dies nicht mehr nötig, als die 6. Sinfonie Anton Bruckners, in A-Dur und komponiert 1881, – also fast zur Zeit der Entstehungszeit des Dvorák-Konzerts – erklang. Ein verrücktes Werk, in dem der Schnittmusterbogen-Stil des Meisters sich von der eigenhändigen Modell-Vorlage am weitesten entfernt hat. Sowohl in der Collagierung einzelner Textur-Elemente als auch in der klang-taktilen Beweglichkeit des Ganzen.

Natürlich trägt der Zuschnitt vollständig die Handschrift des sinfonischen Couturiers, aber was hier Verwebungsgeschick, Stoffwahl sowie aufgesetzte Seitenstücke und Applikationen anbetrifft: ein Sonderentwurf. Dabei nicht ohne ikonische Stickereien von Landes-, Bayreuther- und St. Florian-Sitte. die schön herausgestellt und in guter Deutlichkeit erklangen.

Der grelle, sich scharf herausstellende Dynamismus des Werks kam ohne aufgesetzte Wucht, eher schlank und schneidig daher. Aber auch die frei fließenden amourös-gespreizten und charmanten Klangsprachspiele, die hier keine ganz kleine Rolle ausfüllen, hatten ihren Auftritt.

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