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Frankfurter Museumskonzert: Der wogende Schwall

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Von: Bernhard Uske

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Das Frankfurter Museumskonzert mit dem jungen Engländer George Harliono und GMD Sebastian Weigle

Erotisch gefärbte Musik bestimmte das 6. Museumskonzert im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt: Musik der Spätromantik, die sich anschickt, die klassische Tonsetzerei in emotionalen Obsessionen zu verwirren. Richard Wagners Tristan-Vorspiel eröffnete das Programm des Museumsorchesters, das von Chefdirigent Sebastian Weigle geleitet wurde.

Ein Heimspiel natürlich für die hiesigen Opernmusiker und -musikerinnen und entsprechend aufgeräumt und vielleicht auch ein wenig zu gefasst im „wogenden Schwall“ des in Orchesterfassung angefügten „Isoldes Liebestod“ – wo die hingebungsvolle Entzücktheit normalerweise dem Sopran der Isolde-Darstellerin überantwortet ist.

Es war jedenfalls ein treffender Auftakt für das Es-Dur-Klavierkonzert von Franz Liszt, das zwar aus der Zeit nach den exaltierten Auftritten des Virtuosen mit seinem hingerissenen Publikum fertiggestellt wurde. Dem Geist der werbenden und beeindruckenden Oberfläche im Zusammenspiel von Solist und Orchester ist es aber doch weiterhin verpflichtet.

Wird der Solopart allerdings so kristallklar und subtil in feiner Agogik geboten, wie es der 21-jährige Engländer George Harliono jetzt tat, zerfällt das zirzensisch Gespreizte, und der phänomenale Konstruktivismus Liszts kommt hinter dem bezaubernden Blendwerk zur Erscheinung. Vorzüglicher Einklang mit dem Orchester gelang, und der Solist konnte am Sonntag in der Zugabe mit dem ersten Abschnitt aus Igor Strawinskys „Petruschka“ eine weitere Facette seines Könnens zur Geltung bringen.

Hohe Navigationskunst

Nach der Pause der von seiner Zeitdauer her gewichtigste Posten des Programms: „Pelleas und Melisande“ in der Werkform, die Arnold Schönberg 1903 im Unterschied zu Gabriel Faurés Suite und Claude Debussys Oper dem Dramenstoff Maurice Maeterlincks gegeben hatte. Ein gut dreiviertelstündiges Werk, das den symbolistischen und eher statischen Stoff des belgischen Schriftstellers in einer wagnerisch-expressionistischen Mischung zu fassen suchte. Sebastian Weigle navigierte blendend durch die Tiefen des wogenden Klangmeers, in dem die leitmotivisch fixierten Knotenpunkte im Geflecht allgegenwärtiger Ton-Beziehungen schon anfangen sich aufzulösen.

Begonnen hatte das Konzert mit dem schönen Akt gefühlter Solidarität im Anhören der ukrainischen Nationalhymne. Artur Podiesniy, der stellvertretende Konzertmeister des Orchesters und gebürtige Ukrainer, verlas ein Statement zum Krieg in seiner Heimat, verbunden mit dem Wunsch, das Publikum möge sich zu einer Schweigeminute von den Plätzen erheben. Dem wurde allseits entsprochen.

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