Livestream-Konzert

Frankfurter Jazzkeller: Ungehetzt, aber angetrieben

  • vonStefan Michalzik
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Dennis Sekretarev mit Quartett im „jk TV“ des Jazzkellers Frankfurt.

Dennis Sekretarev ist ein aufgeklärter Traditionalist. Der Bezugsrahmen des in Frankfurt lebenden Trompeters und seines Quartetts DNS Jazz ist die klassische Jazzmoderne in den fünfziger Jahren, im Speziellen der Hardbop mit seinem ausgeprägten rhythmischen Drive.

Schon im Frühjahr war der Frankfurter Jazzkeller mit seinem als „jk TV“ deklarierten Angebot an Livestream-Konzerten mit vornedran, was wohl vor allem auch dem familienbetriebshaft gleitenden Übergang vom verdienten Betreiber über drei Jahrzehnte hinweg, Eugen Hahn, an die internetaffine nächste Generation mit Sohn und Schwiegertochter Philipp und Ana geschuldet ist. Erneut macht der Jazzkeller praktisch bruchlos weiter, nur eben ohne Publikum vor Ort, eine Förderkampagne über das Portal Patreon im Rücken.

Die Kompositionen von Sekretarev, 1985 in Moskau geboren, sind auf den technisch hochvermögenden Leader und sein geschmeidiges Spiel fokussiert, bemessene improvisatorische Freiräume für sämtliche Musiker der ausgezeichnet besetzten Band natürlich eingeschlossen. Ein hochkarätiger Co-Solist neben Sekretarev ist der in Amsterdam lebende israelische Gitarrist Eran Har Even mit seiner glasklaren, harmonisch wendungsreichen Beredtheit und bewundernswürdig beiläufigen Virtuosität.

Der Ensemblesound ist ausgesprochen griffig und kompakt, kein Ort für avantgardistische Extravaganzen. Von profunder Präsenz im Hintergrund die beiden Rhythmiker, Moritz Koser am Bass und der Schlagzeuger Leo Asal, beide mit spannenden solistischen Auftritten. Das Repertoire besteht, mit Ausnahme eines Standards, Thelonius Monks „We See“, ausschließlich aus Nummern Sekretarevs. Abgesehen von vereinzelten lyrischen Stücken – bewegt sich alles an diesem Abend im Bereich der Spannkraft eines ungehetzt angetriebenen Tempos, mit Affinität zum historischen Rhythm and Blues. Das enorm ausgefuchste formale Bewusstsein von Sekretarev als Komponist beugt der Gefahr einer Gleichförmigkeit wirksam vor.

Trotz der offenkundigen Bezüge auf eine historische Epoche wirkt die Musik durch ein groovendes Fundament nicht museal. Vielmehr trifft sie sich sogar mit jüngeren Tendenzen einer Allianz von Jazz und Pop.

Jazzkeller Frankfurt: alle Konzerte finden sich zum Nachhören auch auf Youtube.

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