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Iveta Apkalna, hinten Andrés Orozco-Estrada. 

Frankfurt

Beim HR-Sinfoniekonzert: Mit hellerem Gemüt

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Das HR-Sinfonieorchester geht mit guten neuen Ideen in die Alte-Oper-Saison.

Die neue Konzertsaison des HR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper wartet mit einem neuen Aufführungsformat auf – einer „Spotlight-Mini“ benannten guten halben Stunde vor dem eigentlichen Programm. Einer Art „Young Person’s Guide to the Orchestra“ für ausgewachsene Konzertgänger, die Werkstatt-Atmosphäre und launige Moderation goutieren.

Die „Pariser Sinfonien“ Joseph Haydns werden heuer Gegenstand des konzertanten Vorab-Erlebnisses sein, zu dessen erster Runde sich gut 600 Zuhörer im Großen Saal eingefunden hatten. Die werden sicher wiederkommen, denn Andrés Orozco-Estrada, der Chefdirigent des Orchesters, ist ein Moderator, der es versteht, in einem zwischen Schnoddrigkeit („eine Supermusik“) und Ironie („...weiß gar nicht, warum ich Ihnen das eigentlich erzähle“) pendelnden Tonfall in rasendem Tempo kompositorische Sachverhalte zu präsentieren. Mit einem Quäntchen unbeholfenen Witzes, der ankommt. Variationsarten, Flexibilität der Ausführung, Finessen der Orchesterstimmung: man hörte jedenfalls die einzelnen Sätze der Sinfonie Nr. 84 mit hellerem Gemüt, als es im üblichen Konzertablauf bei Haydn geschehen würde.

Dem Feinsinn dieser Musik folgten dann die größeren Brocken, die mit Samuel Barbers „Toccata Festiva“ ihren Anfang nahmen. Eine klingende Geburtstagstorte für die 1960 in Philadelphia einzuweihende Aeolian-Skinner-Orgel mit ihren 73 Registern. Frankfurts Schuke-Orgel der Alten Oper, mit 62 Registern, wurde geschlagen von Iveta Apkalna, die vom extremen Pedal-Step bis zum voluminösen Plenums-Rausch alles bot, was der romantische Neo-Klassizismus Barbers zu bieten hat. Leider zu stark vom brillanten, aber dröhnenden Orchester überdeckt. Apkalna ist in dieser Saison Artist in Residence und dürfte an diesem großartigen Frankfurter Instrument noch viel Freude machen.

Der andere US-amerikanische Komponist des Abends war George Gershwin, der 1928 „An American in Paris“ als Mouvement symphonique der europäischen Metropole komponierte. Orozco-Estrada pflegte dabei ein dezentes Maß an Virulenz: nicht zu grell und illustrativ. Gershwins Oper „Porgy and Bess“ wurde in einer Concert Version von 35 Minuten gegeben und zeigte den Komponisten hier wie dort als einen, der Idiome aufzunehmen und zur Erweiterung seiner Klangpalette zu nutzen verstand.

Mit dem Cape Town Opera Chorus aus Südafrika und der Sängerin Adina Aaron sowie ihrem Kollegen Musa Ngqungwana in den beiden Titelrollen kam ein Moment ins Spiel, das den erfundenen Songs und Spirituals einen authentischen Anstrich zu geben versuchte. Man blieb auch hier eher knapp und hielt bezüglich eines Broadway-Feelings den Ball flach.

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