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Sicher nur ein Teil des musikalischen Clans.

Musik

Fragen an die Hausgötter

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Das Album "Kamaloka" des Max Clouth Clan haucht dem Fusion-Gedanken neues Leben ein.

Eine produktive Unentschiedenheit charakterisiert die Musik des Gitarristen Max Clouth. Einerseits ist unüberhörbar, dass zu seinen Hausgöttern E-Gitarren-Heroen wie Jimi Hendrix, John McLaughlin und auch Volker Kriegel gehören und dass er tief und fest in der Fusion-Ära wurzelt. Andererseits ist er – was ja auch für Hausgott McLaughlin gilt – von der reichen Musikkultur des indischen Subkontinents inspiriert. Und er verfügt da über weit mehr als nur Skalen und klangliche Klischees.

Das neue Album „Kamaloka“ des Max Clouth Clan markiert eine neue Wegmarke des langfristigen Projekts, indische Musik und Jazz-Rock-Fusion miteinander zu versöhnen. Es gibt bei diesem Projekt keine Fort- oder Rückschritte, sondern einfach verschiedene Zustände und Zugänge – und eben Wegmarken. Eine wichtige Rolle scheint dabei die Organisationsform des Clans zu spielen. Im Zusammenhang mit der musiküblichen Gesellungsform einer Band ist der Clan so organisiert, dass er sich hierarchiearm um sie herum gruppiert und sie personell, klanglich und idiomatisch erweitert. Dass der komplette Clan gleichzeitig arbeitet, ist eher die Ausnahme.

Und so klingt „Kamaloka“: von Stück zu Stück neu ansetzend, neue klangliche und idiomatische Konstellationen erprobend. Max Clouth spielt eine zweihalsige Gitarre, die in seinen Händen zu einem universellen Saiteninstrument wird, indem sie hakelfreies Glissandieren, effektvolle bendings und mit zusätzlichen Resonanzsaiten sehr indisch anmutende Klanglichkeiten ermöglicht. Und wenn er sich von seiner enormen Flinkfingrigkeit davontragen lässt und mit hochvirtuosen Kabinettstücken aufwartet, wird daraus nie eine selbstzweckhafte Gitarrero-Demonstration, sondern ein beziehungsreich und verweisungsintensiv eingeflochtener musikalischer Gedankengang, dem zuzuhören viel Freude macht.

Zu der Frage, was das Sanskrit-Wort „Kamaloka“ bedeutet, gibt es mehrere Antworten. In jeder davon geht es darum, dass man Belastendes hinter sich lässt. So klingt auch das Eröffnungsstück: federleicht, von inspirierenden Wurzeln eher in die Ferne getragen als geerdet und beschwert.

Dieser Geist einer freien, gelösten Unentschiedenheit, die sich von jeglichem Entweder-Oder emanzipiert und bei aller spielerischen und kompositorischen Ernsthaftigkeit stets das mehrdeutige Nebeneinander sucht und nicht die zwanghafte Integration von Differenzen, prägt das gesamte Album – auch wenn zwischendurch programmmusikalische Konzeptionen (über den hitzeflimmernden „Delhi Jaipur Highway“) oder betrübliche Eindrücke (etwa im klagenden „Letter From Gaza“) hörbar werden. „Kamaloka“ ist ein Album, das dem etwas aus der Mode gekommenen Fusion-Gedanken neues Leben einhaucht. Und zwar mehr als nur eines.

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