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Simon Rattle in der Alten Oper Frankfurt.
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Simon Rattle in der Alten Oper Frankfurt.

Rattle Alte Oper Frankfurt

Forschungsreise in die Nacht

Schwarze und lichte Romantik: Expeditionen mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern beim Musikfest in der Alten Oper Frankfurt.

Aufbrüche“ werden derzeit beim Musikfest in der Alten Oper Frankfurt untersucht und aufgeführt. Und selbst, wenn man nicht in jedem Fall sagen kann, wohin dieser Aufbruch führt, ob er folgenreich ist, so durften sich die Zuhörer am Sonntagabend jedenfalls als Forschungsreisende im Hören fühlen. Bekamen nämlich zuerst die Urfassung der 4. Sinfonie von Robert Schumann vorgespielt, die der 31-Jährige 1841 schrieb, die aber erfolglos blieb.

Aus heutiger Warte enthält sie doch schon alle Themenschönheit und allen Schwung der 4., wirkt bloß etwas matter. Das hat auch damit zu tun, dass Schumann erst bei der Überarbeitung die Bläser profilierter einsetzte. Ohne sie kann man sich das Werk nicht mehr denken: eine Expedition in eine unwiederbringliche Vergangenheit, ein Kuriosum eigener Art.

Die Berliner Philharmoniker nahmen sich der Sinfonie in D-Moll unter ihrem Chef Simon Rattle aber wie in einer einzigen großen Bewegung an, weniger delikat als unmittelbar flott. Hauchfein bloß lag der exzellente Konzertmeister über den Stimmen, Effekte wurde aber nicht gemieden. Nachher gab es einen gemeinsamen Parforceritt von ungewohnter Wucht.

Wie mürrisch konnte es den Zuhörer erst machen, dass zwischen zwei Schumann-Werken – nach der Pause die 4. Sinfonie – eine Arbeit des 1953 geborenen Georg Friedrich Haas gepackt wurde. Als könnte ein Zeitgenosse ein großes Konzertprogramm nicht eröffnen noch beschließen. Es machte sich dann aber hervorragend an dieser Stelle, quasi als dunkle Seite der Romantik.

Direkt aus dem Fegefeuer

Die Forschungsreise betraf dabei in höchstem Ausmaß beide Seiten des Saals. Dem Zuhörer schwirrte das Hirn angesichts des auf und ab wabernden Flirrens, das direkt aus dem Fegefeuer zu kommen schien, wie es sich für „Dark Dreams“ gehört, auch wenn der Mensch es schwer aushält. Haas hat aber noch weit mehr zu bieten, führt uns hin zu scheinbar gesicherten Themen, die er dann sofort wieder auseinander treibt. Nicht nur die Töne, auch die Rhythmen werden schonungslos geraspelt weit über das Maß hinaus, auf das ein Sinfonieorchester eingestellt sein kann. Sensationell die Expeditionsleistung der Berliner, die das Werk im Frühjahr auch uraufgeführt haben.

Die „Rheinische“ Sinfonie nach der Pause war viel zu zauberhaft, um für erneute Bodenhaftung zu sorgen. Glasklar und schlank dabei. Rattle, der sich eigentlich verhielt, als müsse er die Musiker bloß gewähren lassen, hat offenbar zuvor eine Feinstmechanik im Orchesterapparat eingebaut. Alle, aber mehr noch die Hornisten musste man hoch leben lassen, und das machte das Publikum auch.

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