Hardrock

Foreigner in Mainz: Bombast und Plump-Rhythmus

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Da ist sie wieder, die gute alte Formel: Foreigner vor Tausenden Fans im Mainzer Volkspark.

Wenn Bob Dylan endlich den Nobelpreis einstreicht, wenn Mick Jagger als Jumpin’ Jack Flash durch Youtube zappelt und dank neuer Herzklappe alle Welt mit seiner Jugend bezirzt, dann darf die Zeit auch ihnen gewogen sein: Bands auf Nostalgik-Trip à la Foreigner. 1976 von Mick Jones und Lou Gramm gegründet, ist die Ur-Band zwar bis auf den 74-jährigen Jones in alle Winde verstreut. Selbst Gramms Ersatz Kelly Hansen hat seine 58 auf dem Buckel und hüpft trotzdem als singender Flummi einher, hinter sich das russische IP Orchestra aus lauter Streichern nebst ein paar Bläsern.

Neben Jones und Hansen sorgten in Mainz noch fünf Bandmitglieder für den satten harten Foreigner-Sound mit Gitarren- und Bässe-Dominanz zum Schlagzeug, in einigen der besten Stücke bereichert um Keys (Michael Bluestein), Saxofon oder gar Querflöte (Tom Gimbel). Die Lightshow hielt an sich, der klangliche Bombast war beeindruckend, die Klassik-Integration hier und da nicht ohne raffinierte Kontraste, bis letztlich immer wieder alles zum Hardrock strebte.

Foreigner zehrt von alten Erfolgen

Foreigner kennt jeder, ob wissentlich oder nicht, schon weil Hits wie „I Wanna Know What Love Is“, „Cold As Ice“ und „Hot Blooded“ seit den 70ern in tausend Mainstream-Spielfilme reindudeln. Der Andrang zum Konzert zwang denn auch zum Ausweichen aus der Zitadelle in den nahen Volkspark. Die laufende Orchestertournee hat bereits Flensburg, Büren, Sydney beglückt – inklusive eines zu Silvester von 3Sat ausgestrahlten Luzern-Konzertes.

Foreigner zehrt von alten Erfolgen und brachte in Mainz keinen einzigen neuen Song, was Tausende Fans kein bisschen verstimmte. Vom Bombast der Orchester-Ouvertüre aus „Requiem“-Passagen und Orff-Anklängen ging’s in fliegendem Idiomwechsel weiter zu „Blue Morning, Blue Day“ als Opener, über „Cold As Ice“ und die Gefühlsballade „Waiting For A Girl Like You“ und andere zum neueren Jones-Titel „The Flame Still Burns“, der sich wie eine Apotheose der 70er anhört. Dem „springsteenesken“ Sound solch eines „Adult Oriented Rock“ oder „AOR“, was sich wie eine verpönte Sexualpraktik anhört, folgten bald „Double Vision“ und „Like the First Time“. Das Konzert sollte mit 14 Songs aus der Bandgeschichte nicht allzu lange dauern. Den alten Knochen geschuldet?

Hardrock-Wiedergänger

Das Wiedergängerische der Hardrock-Formel hellte sich öfter auf, wenn „Fool For You Anyway“ mit viel Soul die Bläser ausspielte oder Jones’ Song über Elvis’ „Dirty White Boy“ den Stampfrhythmus forcierte, wenn „Urgent“ seinen Saxofonpart brachte oder der Cellist Bachs Cellosuiten ins zirzensische Duell mit der Geigerin überführte: mit Westerntönen à la Squaredance und Klassikgepränge. Mit „Jukebox Hero“ waberte der kraftvolle Plump-Rhythmus ins Rauschhafte und signalisierte das kommende Ende, das nach Habt-euch-lieb-im-Arm-Appellen zu „Wanna Know What Love Is“ und „Hot Blooded“ als Rausschmeißer pünktlich eintrat. Sehr netter Abend, sofern man nicht auf Innovations-Pirsch hereingeschneit war.

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