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Fontaines D.C.: „Skinty Fia“ – Blick von außen auf die Heimat

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Von: Stefan Michalzik

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Neuerdings poppig: Fontaines D. C. Foto: Filmawi
Neuerdings poppig: Fontaines D. C. Foto: Filmawi © Filmawi

Auf „Skinty Fia“ experimentieren Fontaines D. C. in viele Richtungen.

Als Band der Stunde in Sachen Rock sind Fontaines D. C. nach Erscheinen ihres Debütalbums „Dorgel“ (2019) gefeiert worden. Unter den Dichtern nennt die irische Band um den Sänger, Songschreiber und Gitarristen Grian Chatten vor allem William Butler Yeats und Patrick Kavanagh als Quell der Inspiration, darüber hinaus Shane MacGowan von der irischen Folk-Punk-Band The Pogues. Der musikalische Referenzrahmen ist der Post-Punk der Achtzigerjahre, mit Soundanleihen bei The Cure, Interpol und Joy Division, geprägt in einen markant eigenen Stil.

Die Klippe des heiklen zweiten Albums haben sie im vergangenen Jahr mit „A Hero’s Death“ genommen, das erste Anzeichen einer Erweiterung des klanglichen Horizonts erkennen ließ. Mit „Skinty Fia“ – laut Band ein Fluch aus dem Repertoire der ausschließlich Gälisch sprechenden Großtante von Schlagzeuger Tom Coll – sind sie nun einen beträchtlichen Schritt weiter gegangen. Das Album bezeugt eine beharrliche Arbeit am Stil. Das Ungestüm der ersten Stunde ungebrochen fortzuschreiben – das wäre zu einfach gewesen.

Fünf Iren in London

Das Album

Fontaines D.C.: Skinty Fia. Partisan/PIAS/Rough Trade.

Die Irishness – ausgeprägt der Akzent von Grian Chatten – ist, wie seinerzeit schon bei Shane MacGowan, ein wiederkehrendes Motiv. Inzwischen sind die Fontaines D.C. nach London übergesiedelt. Die Iren sind bei vielen Engländern bekanntlich nicht gern gesehen. „In ár gCroíthe go deo“ – „Für immer in unserem Herzen“ -, der erste Song, handelt von einer in Cornwall verstorbenen Irin, deren Familie es verweigert worden war, den gälischen Spruch in den Grabstein meißeln zu lassen. Das Urteil ist inzwischen aufgehoben, immerhin. „Bloomsday“ ist eine Verneigung vor James Joyce und seinem Roman „Ulysses“.

Der Blick von außen auf die Heimat bildet einen zweiten Strang auf „Skinty Fia“. Die Heimatinsel war der Band ob des Konservatismus und der dominanten Rolle der Religion zu eng geworden. Politiker, die herumstümpern und sich bereichern, sind ein Thema, wie auch Kirchenobere, die den Missbrauch an Kindern zu vertuschen suchen.

Mit den unguten Seiten der britischen Mentalität indes, so ist es Interviews zu entnehmen, haben die vier von Fontaines D.C. eben auch bereits Bekanntschaft gemacht. Der gemeine Engländer, so Gitarrist Carlos O’Connell, sei ebenso arrogant wie ignorant und halte ganz Irland für einen Teil des Vereinigten Königreichs. „Eine Beleidigung – schon wegen dem, was uns England angetan hat.“

Das gewisse Maß an „Verpoppung“ steht Fontaines D.C. prächtig zu Gesicht. Von fern lässt bisweilen die Melodiosität des Britpops der 90er Jahre grüßen. Prägnante Basslinien wie in der New-Wave-Ära tragen einen Großteil der Songs. Explizit folk-affin sind besonders „The Couple Across the Way“, in dem die Stimme Chattens über weite Strecken ausschließlich vom Akkordeon begleitet wird, sowie das schwungvolle und akustikgitarrengeprägte „Jackie Down the Line“.

Post-Punk? Damit habe die Band nichts zu tun, hat Carlos O’Connell einmal gesagt. Naja. Einleuchtend jedenfalls, dass die Band nicht auf einen speziellen Sound bedacht sei und es ihr vielmehr um das Experimentieren gehe. ,,Wie allen tollen Bands“ – O’Connell nannte The Velvet Underground und die Rolling Stones, Beatles und Beach Boys.

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