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Kraftwerk performt „Roboter“, 2015.

Nachruf

Zum Tod von Florian Schneider: Mensch und Maschine

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Mit Kraftwerk gelang ihm ein pophistorischer Quantensprung von multipler Wirkung. Jetzt ist Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider 73-jährig gestorben.

Als sich Florian Schneider und Ralf Hütter, die Gründer von Kraftwerk, 1968 zusammentaten, nannten sie sich zunächst „Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer musikalischer Konzepte“. Das wirkt ausgesprochen deutsch, in der zackigen Ironie nahmen die beiden zugleich ein Stilmittel des späteren New Wave in Deutschland vorweg. Jetzt ist Florian Schneider 73-jährig an einer Krebserkrankung gestorben.

2009 schon stieg er bei Kraftwerk aus, im Streit mit Hütter. Seit ungefähr 1990 hatte die Band bloß noch den eigenen Mythos verwaltet, das allerdings äußerst tüchtig und geschickt. Davon ließ sich gut leben, waren Kraftwerk doch nicht weniger als die international einflussreichste deutsche Band der Popgeschichte.

Ihre musikalischen Setzungen bildeten die Grundlage für Techno und Hip-Hop, früh manifestiert in der Verwendung eines Samples aus „Trans Europa Express“ durch den afroamerikanischen DJ-Produzenten Afrika Bambaataa in dessen Nummer „Planet Rock“ (1982). Unverkennbar im Übrigen auch der Einfluss auf die Berliner Alben-Trilogie von David Bowie Ende der siebziger Jahre sowie auf den Synthiepop der Achtziger. Kraftwerk markierten einen pophistorischen Quantensprung von multipler Wirkung.

Florian Schneider bei einem Konzert der Gruppe Kraftwerk, 2004.

Die vielbeschworene These, es handle sich um die deutscheste aller Bands, haben sie nach Kräften zementiert. „Wir arbeiten sehr zielorientiert“, sagte Florian Schneider einmal, „Zufälle gibt es bei Kraftwerk keine.“ Besonders plausibel schien das nicht, doch es war ganz im Sinne eines konsequent betriebenen konzeptuellen Ansatzes. „Mensch Maschine“ (1978) lautete der Titel des vielleicht wichtigsten Albums, bei Interviews wie auch Liveshows standen zeitweilig Androiden anstelle der vier Musiker an den Synthesizern.

Geboren 1947 als Sohn des für das Bauen der Nachkriegsjahrzehnte bedeutenden Architekten Paul Schneider-Esleben hatte Florian Schneider an der Musikhochschule in Düsseldorf Querflöte und in Köln Musikwissenschaft studiert und sich zunächst in Jazzbands umgetan, unter anderem bei Klaus Doldinger. Die Flöte spielte er anfänglich noch bei Kraftwerk, auch in elektroakustischen Varianten. Nach der Veröffentlichung des global erfolgreichen Albums „Autobahn“ (1974) indes, ein Schwellenwerk in der Geschichte der Band, wurde der Schwenk zu den Synthesizern endgültig vollzogen.

Persönlich galt Schneider als humorvoll und anekdotenfreudig. 1998 hatte die Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe ihn als Professor für Medienkunst und Performance berufen, angetreten ist er jedoch nicht. Schneider und Hütter, das schien lange Zeit die verschworene Einheit bei Kraftwerk zu sein. Die langjährigen Mitglieder Wolfgang Flür und Karl Bartos hatten nicht besonders viel zu melden, später kam es zu juristisch ausgetragenem Ärger.

Als „Musikarbeiter“ hatten Kraftwerk sich apostrophiert. Auch darin wieder der Zeit voraus: Das Individuum tritt hinter der Musik zurück – das sollte später eines der Ideale in der Gründerzeit des Techno darstellen.

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