Alte Oper

Wie mit dem Florett ausgetragen

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Die hr-Sinfoniker und Marek Janowski mit Schumann, Ravel, Fauré in der Alten Oper Frankfurt.

Ein Experte für das deutsch-romantische Repertoire – als solcher fungiert Marek Janowski, der langjährige Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, der ab nächster Saison die Leitung der Dresdner Philharmonie übernimmt. Als solch einen Experten denkt man ihn sich eingefügt in die Riege der deutsch-romantischen Dirigenten, allen voran Wilhelm Furtwängler, als deren Prototyp im 20. Jahrhundert.

Aber Janowski ist ein Experte von Außen, der gebürtige Pole, geboren in Warschau, sieht sein bevorzugtes Klang-Gebiet in Differenz und Exponiertheit, und so klang denn Robert Schumanns 4. Sinfonie in d-Moll op. 120 ganz anders als bei den vormaligen Experten. Enorm behende, hell und fließend, aber auch gestaut zu großen Konvulsionen, die schnell aus dem hüpfenden, launigen und heiteren Ziellauf eine Klangbarrikade machen können und sich fast explosiv entladen. Einerseits aufgeräumte Funktionalität des Klangablaufs – andererseits dräuende, herzbebende Ballung: wie deutsch es ist!

Das war der grandiose Abschluss des hr-Sinfoniekonzerts in Frankfurts Alter Oper, wo das hr-Sinfonieorchester zu schärfster Gangart und dichtesten Klangfolgen gefordert war. Brillant reagierend bis hin zur finalen Stretta, wo Janowski das Tempo noch einmal anziehen ließ. Man mochte nicht glauben, dass da einer in seinem achtzigsten Lebensjahr dirigiert, so jugendlich, so „Jung-Deutschland“-gemäß rauschte der Klangfluss dahin.

Ähnlich beschleunigt, wenngleich artistisch ganz anders temperiert, agierten die Musiker in Maurice Ravels G-Dur-Konzert, wo Jean-Yves Thibaudet den Klavier-Part bestritt. So schnell und so knapp, so trocken wie nur möglich und doch mit allen Instrumentalblitzen des vielstimmigen, selber oft solistisch exponierten Tutti ausgestattet, knisterten und huschten die 20 Minuten vorbei. Thibaudet, ein mit den Ravel-Konzerten fast als verwachsen zu bezeichnender Virtuose, bekam instrumental Paroli geboten. Ein Paroli, das den Klang-Konflikt stilisierte, wie mit dem Florett in den einschlägigen Spielfiguren ausgetragen. Fast skizzenhaft hingesetzt wirkte das alles, extrem gestrichelt und dem Ravelschen Ideal apollinischer Realität auch bei den jazzoiden Partien gemäß.

Begonnen hatte der Abend mit Gabriel Faurés Suite aus der Schauspielmusik zu „Pelléas et Mélisande“ op. 80, wo sich schon zeigte, dass das Expertentum für deutsche Romantik auch gut ist für deren französische Adaption. Die hat im Schatten Richard Wagners frankophone Komponierexperten wie Fauré für dessen Aufhellung, Stilisierung und Besänftigung gedeihen lassen.

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