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Sopranistin Anna Lucia Richter mit dem Pianisten Michael Gees.

Rheingau Musik Festival

Fliegender Blumenteppich

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Die Sopranistin Anna Lucia Richter bezaubert beim Rheingau Musik Festival, wo sie eine kleine „Focus“-Reihe hat.

Anna Lucia Richter, Jahrgang 1990, ist eine Sängerin wie vom Himmel gefallen, aber daran muss sie hart gearbeitet haben. So reif und zugleich jugendlich, so überraschend und doch klassisch ist ihr Abend in Schloss Johannisberg, dass man dem Rheingau Musik Festival nur dazu gratulieren kann, die in Köln ausgebildete Sopranistin gleich für eine kleine „Focus“-Reihe verpflichtet zu haben – früh genug, um beizeiten eine Musikerin kennenzulernen, die offenbar zu Recht kurz davor steht, in aller Munde zu sein. Zum Auftakt bot sie im Metternich-Saal ein reines Franz-Schubert-Programm zusammen mit dem unorthodoxen, hier manchmal etwas sehr nonchalant mit Details umgehenden Pianisten Michael Gees, mit dem sie seit ein paar Jahren zusammenarbeitet: ein eingespieltes Team, das sich blind verstand und diskret unterstützte.

Eine leidenschaftliche, Reflexionen und Frauenrollen bevorzugende Auswahl hatte Richter (die wie der große Kollege Christian Gerhaher die Noten und vor allem den Text vor sich hat) zusammengestellt. Sie enthielt nicht zu viele Hits – etwas rasch, lapidar und dann auch in der Tat sprunghaft geriet das „An den Mond“ –, ein kluger Zug angesichts der meist vor allem männlichen Schubert-Konkurrenz, die die Sopranistin allerdings kaum fürchten muss. Sie ließ die besondere Finesse des Lied-Profis hören, ihre Stimme nämlich so selbstverständlich und natürlich klingen, als seien wir bloß eine Abendgesellschaft, bei der ein wenig musiziert würde.

Aber jeder Vokal war hell und ungezwungen, jeder Konsonant saß unaufdringlich perfekt, ohne übrigens, dass die Sängerin im mindesten angestrengt ausgesehen hätte. Die gesprochene Poesie blieb immer anwesend und damit der radikale Unterschied zwischen einem Opern- und einem Liederabend, von vielen Sängern salopp und zwangsläufig beiseite gelassen. Stimmkontrolle in jeglichem Moment gehört dazu, eine gläserne Intonationssicherheit. Die Feier reiner Geschmeidigkeit hingegen überlässt sie den Kollegen aus dem Baritonfach, dem Publikum überlässt sie es, von den zahllosen kleinen Schlenkern und Wendungen verzaubert zu werden.

Richter hält dabei einen ordentlichen Abstand zwischen sich und dem Text, gehört nicht zu den Interpreten, die die Identifikation dramatisch weit treiben. Insofern ist sie auf eigenwillige Art altmodisch. Fabelhaft trat das etwa in dem unglaublich sorgfältig durchgearbeiteten „Zwerg“ zutage, oder in „Viola“, jenem textlich etwas herzigen Dramolett unter Blümelein, das die nun ganz rundäugige Richter mit größter Zuneigung und doch einer winzigen, sanft ironischen Distanz sang. Musikalisch war das eine Art fliegender Blumenteppich.

Enorm effektvoll auch die letzte offizielle Nummer, das rezitierte Gedicht „Abschied von der Erde“, die Sängerin elegant auf den Flügel gestützt. Dass die keine 30 Jahre alte Richter ausgerechnet den Themenkreis Alter und Tod betonte, gab dem Abend noch mehr Präraffaelitisches, als er durch ihr vollendetes Auftreten schon hatte.

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