Ober-Fuchs Robin Pecknold.
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Ober-Fuchs Robin Pecknold.

Musik

Fleet Foxes „Shore“: In warmem Wasser

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Das neue, blühende Album der Fleet Foxes.

Als „verdammt prächtig“ hat ein britischer Kritiker das neue Album der Fleet Foxes – eigentlich ist es auf „Shore“ nur der Fuchs-Kopf Robin Pecknold – bezeichnet, so dass man ihm so manche Prätention verzeihe. In der Tat geht diese Musik, gehen einem diese intrikat geschichteten Harmonien runter wie Öl, ist dieses vierte Fleet-Foxes-Album hell und warm und weich wie noch keines zuvor, hüllt es ein wie eine Kaschmirdecke, tröstet es sogar in dieser Zeit – solange man nicht zu genau auf die bisweilen etwas wattigen und wie ein Fragment wirkenden Texte hört und versucht, sie zu enträtseln.

Die Filmemacherin Kersti Jan Werdal hat in einem die Veröffentlichung begleitenden Video die Landschaften des amerikanischen Nordwestens eingefangen. Und Tontechnikerin Beatriz Artola soll Pecknold entscheidend geholfen haben, die Dinge musikalisch zusammenzuhalten. Das Bläserquartett The Westerlies prägt einige der Songs mit Munterkeit. Die Sängerin Uwade Akhere, die mit Pecknold an der Uni war, eröffnet das Album im Song „Wading in Waist-High Water“. Aber sonst hat der Tüftler das meiste allein eingespielt, übereinandergelegt, so dass er etwa mit sich selbst im Duett singt. Auf dem Notizblock steht auch mal das Stichwort „Engelsgesang“, denn man könnte sich keinen rauen, gar krächzenden oder röhrenden Pecknold vorstellen.

Als 2008 das Debütalbum der Band aus dem US-amerikanischen Seattle erschien, füllte sie mit ihrem auf einer Folk-Basis ruhenden, aber üppigeren, nicht unangenehm schwülstigen Pop eine Lücke. Das Quintett sprach von „baroque harmonic pop jams“, es war die ideale, weil wunderbar entspannende Musik für lange Autofahrten, denn man brauchte gar nicht auf alle Details zu hören, um doch vergnügt mitzuschwimmen im kräftigen Klangfluss.

Das Album:

Fleet Foxes: Shore. Stream bei Anti-, erst im Februar auch analog.

Wie gerade erst Bruce Springsteen auf „Letter To You“, so ruft auch Robin Pecknold musikalische Vorbilder und Vorgänger auf, die vielen „unter meinen Füßen“.

Ein Song für Victor Jara

Symbolisch badet er in „Sunblind“ an ihrer Seite im „warm American water“, badet mit Richard Swift, David Berman, Ian Curtis, Elliott Smith. Dem 1973 ermordeten Chilenen Victor Jara ist ein nach ihm benannter Song gewidmet, „you sang for the lost and gone“, erinnert Pecknold an ihn. Ein Anzähl-Schnipsel von Beach Boy Brian Wilson durfte der Fox sich für „Cradling Mother, Cradling Woman“ ausborgen, die hellen Bläserrepetitionen darin erinnern außerdem an den Minimalismus eines Steve Reich.

Robin Pecknold gehört zu den Musikern, die mit Depressionen zu kämpfen haben, aber Traurigkeit lässt sich auf dieser Platte nur in den Lyrics finden. Wer will, kann sich auf viele feine musikalische Details konzentrieren, kann bei jedem Wiederhören trotz aller Anschmiegsamkeit auch kecken Glanz entdecken. Denn es fehlt in „Shore“ nicht am Funkeln, am Tanzen des Lichts.

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