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FKA Twigs: „Caprisongs“ – Wie Capri-Sonne zum Hören

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Von: Stefan Michalzik

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FKA Twigs. Foto: Promo
FKA Twigs. © Promo

„Caprisongs“, das muntere neue Album von FKA Twigs.

Gebremste Beats und Balladen in verhangener Atmosphäre herrschen vor. Dazwischen gibt es ein paar Nummern auf der Basis hibbeliger Beats zwischen Trap, Grime und Drum’n‘Bass. Als „Mixtape“ deklariert ist „Caprisongs“, das dritte Langwerk der als FKA Twigs bekannten Londoner Musikerin Tahliah Barnett, die nach dem Debüt „LP 1“ (2014) und später dem zweiten Album „Magdalene“ (2019) mit Recht als eine Erneuerin des R&B gefeiert wurde.

Trotz der Balladenlastigkeit spielt der Humor eine große Rolle auf „Caprisongs“. Im Song „Meta Angel“ zählt die Britin mit jamaikanisch-spanischen Wurzeln die Koordinaten ihres Geburtshoroskops auf: Mondzeichen Schütze, Venus in Fische. Nach einer kurzen Pause saugt sie Luft ein und stößt die Worte „Capri Sun“ aus, die sowohl auf das Sternbild Steinbock (lateinisch Capricornus) wie auf die Trinktütchen der gleichnamigen Marke bezogen werden können.

Zu Beginn des ersten Songs, „Ride the Dragon“ heißt es: „Hey, I made you a mixtape/Because when I feel you I feel me/And when I feel me it feels good.“ Laut Erläuterung von FKA Twigs ist das Album dazu gedacht, es zu hören, wenn man sich vor dem Clubbesuch daheim noch ein wenig Bronzer auf die Haut gibt und damit das Waschbecken versaut. Es soll also Laune machen, bevor es zur Tanzfläche geht.

Das Album

FKA Twigs: Caprisongs. Atlantic Mod.

Die Produktionsweise ist nach wie vor eigenwillig, doch ist die Tendenz auf diesem Album weniger experimentell, dafür poppiger. Manches ist sehr dick aufgetragen. Haben die Klangschichtungen auf dem Debüt noch eine paradoxe Spannung aus Kargheit und Opulenz hervorgerufen, so wirkt hier (beinahe) alles erheblich üppiger.

Mitunter sieht man sich an das genialische Tangieren der Kitschgrenze in der Balladenkunst von Prince erinnert, dann wieder an den TripHop der neunziger Jahre. In „Lightbeamers“ schraubt sich die Stimme mittels Autotune in höchste Höhen. Mit Instrumenten wie Streichern, Trompete oder Klavier wird auf diesem Album nicht gespart. Bei „Caprisongs“ handelt es sich nicht zuletzt auch um ein Meisterwerk der samplebasierten Arrangementkunst.

Reichlich Gäste für Gesangsduette sowie als Co-Writer und -Produzenten hat FKA Twigs eingeladen, ungeheuer die Palette an Stilen, derer sie sich bedient, ohne dass sich das Album in Beliebigkeit verlieren würde. Zusammen mit dem gambisch-britischen Rapper Pa Salieu (,,Honda“) wie auch mit Jorja Smith und Unknown T („Darjeeling“) besinnt sie sich auf den HipHop; „Papi Bones“ (mit Shygirl) zitiert den jamaikanischen Dancehall-Reggae. Es kursiert die Spekulation, dass Kae Tempest am Ende von „Oh My Love“ die zu Selbstvertrauen ermutigenden Worte gesprochen haben könnte. Klingt danach.

Seit einigen Jahren ist „Mixtape“, dieser aus der Zeit der Compact Casette stammende Begriff, ein Signum des Experimentellen. Wie wenn auf „offiziellen“ Alben nicht der Ort für Experimente wäre. Doch wäre es nicht anders deklariert, würde dieses Album allemal als ein „offizielles“ durchgehen. Aber FKA Twigs’ „Mixtape“ ist in diesem Fall wohl auch eher im Sinne einer persönlichen Ansprache zu verstehen. Und steht in Zusammenhang mit anderen Retroanspielungen wie eben den Capri-Saft-Tütchen.

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