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Fishbach „Avec Les Yeux“: Wenn der Schmetterling auf Bombast trifft

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Von: Christina Mohr

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Fishbach.
Fishbach. © Sony Music

Den Achtzigern eng verbunden: Fishbachs Album „Avec Les Yeux“.

Der Albumtitel ist durchaus persönlich aufzufassen: Flora Fischbach aus Dieppe, die in ihrem Künstlerinnennamen elegant ein „c“ wegstreicht, ist es gewöhnt, nicht nur als Musikerin und Sängerin wahrgenommen zu werden, sondern auch „Avec Les Yeux“, durch die Augen ihres Publikums. Unlängst spielte sie die Rolle der Anaïs in der neunteiligen TV-Serie, die Canal plus aus Virginie Despentes’ genialem Romanwerk „Vernon Subutex“ gemacht hat, früher modelte sie für Paco Rabanne und andere Modeschöpfer.

In ihrem Pop-Projekt Fishbach spielt der visuelle Aspekt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Clips zu ihren Songs sind ästhetisch perfekt durchkomponierte Wunderwerke, mit Flora Fis(c)hbach als distanzierter Schönheit, die – wie im Video zum Dancehit „Masque D’Or“ – Sexyness und Humor in einer Weise ausbalanciert, wie es nur Französinnen gelingt.

So viel zum Klischee. Denn ansonsten ist La Fishbach nicht bereit, irgendwelche Stereotypen zu bedienen. Ihr vor vier Jahren erschienenes Debütalbum „À Ta Merci“ war eine dunkelschillernde Hommage an den Synthiepop der Achtziger, mit traurigen und doch tanzbaren Songs, die an French-Pop-Stars wie Desireless („Voyage, Voyage“) erinnerten, aber auch an das grandiose Duo Les Rita Mitsouko – vor allem durch Fishbachs kraftvolle, tiefe, rauchige Stimme, die manchmal „umzukippen“ scheint, Catherine Ringers nicht unähnlich.

Das Album:

Fishbach: Avec Les Yeux. Sony Music.

Melancholisch, rätselhaft bis zutiefst traurig sind ihre Texte weiterhin („Je voudrai mourir / dans une fou rire“), musikalisch traut sich Fishbach auf „Avec Les Yeux“ wesentlich mehr (zu). So verwirklicht sie beispielsweise ihren Wunsch, sich wieder verstärkt dem Rock zu widmen – erstaunlicherweise begann Fishbach ihre musikalische Laufbahn nämlich in einer Metalband.

Spuren dieser Zeit zeigen sich in Gestalt furchtlos gniedelnder Gitarrensoli in schwermütigen Stücken wie „Nocturne“ und „Téléportation“ und der Powerballade „Tu Es En Vie“, in der Fishbach Englisch singt, ungewöhnlich positiv gestimmt sogar („I believe in love / I believe in me“). Mit „La Foudre“ lebt Fishbach ihre Stadionrock-Fantasien aus, schwelgt an anderer Stelle in leichtem Surfgitarrensound und angekitscht-poppiger Chansonatmosphäre.

Wenn auch stilistisch breiter und variantenreicher aufgestellt, bleibt Fishbach auf „Avec Les Yeux“ den Achtzigern eng verbunden, vom Synthpad-Intro des Openers „Dans Une Fou Rire“ über den Großraum-Discofox des ironisch betitelten „Démodé“ (altmodisch). Aus dem Eighties-Kosmos heraus fällt das nostalgische Veranda-Bluesstück „Quitter La Ville“, das inmitten der bombastisch arrangierten Hochglanz-Elektronik mit seinem träumerischen Chorgesang wie ein zufällig ins Zimmer hineingewehter Schmetterling wirkt – ein zarter Fremdkörper, irritierend und faszinierend zugleich.

Auch die Klavierballade „Arabesques“, mit der das Album endet, ist so ein Moment der Kontemplation: Wie gebannt folgt man den Worten der Künstlerin (selbst wenn man sie nicht versteht) und schaut ihr fragend hinterher, wenn sie wie durch dicken Trockeneisnebel zu entschwinden scheint. Womit sie wohl wiederkehren wird? Mit einem Neunziger-Revival?

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