+
Kann mit Bolzenschneidern umgehen: Fiona Apple.

Fiona Apple

Fiona Apple „Fetch the Bolt Cutters“: Die Kampfruferin

  • schließen

Fiona Apples neues, streitbares feministisches Album „Fetch the Bolt Cutters“.

Die letzte prominente Wortmeldung von Fiona Apple ist ihre Entgegnung wider den Pussygrabber Donald Trump gewesen: „We don’t want your tiny hands/ Anywhere near our underpants“. Mit diesem Reim prägte sie einen „Schlachtruf“ zum Women’s March in Washington im Januar 2017. Furore gemacht hatte die in Los Angeles lebende Musikerin erstmals 1996 mit ihrem mit gerade mal 18 Jahren vorgelegten Debüt „Tidal“ als klassische Singer/Songwriterin. Auf den Grammy-prämierten Millionenerfolg hin präsentierte sie sich als vermeintliche Business-Verweigerin mit rekordträchtig wortreichen Albumtiteln; Interviews hat sie nur selten gegeben und bis 2012 lediglich vier Alben herausgebracht.

Acht Jahre später nun geht sie auf „Fetch the Bolt Cutters“ einen Schritt weiter auf dem alsbald eingeschlagenen Weg einer musikalischen Widerborstigkeit. Das Klavier, ihr Stamminstrument, spielt längst nicht mehr die zentrale Rolle. Mag die Musik noch so tief im Folk verwurzelt sein, unterschwellig schwingt der HipHop mit. Ansätze dafür hatten sich schon auf dem zweiten Album „When the Pawn...“ (1999) abgezeichnet. Besonders der rhythmisierte Sprechgesang auf „Under the Table“, einem Song um ein Essen, zu dem das lyrische Ich gegen alle Überzeugung mitgegangen ist, nähert sich dem Rap. „I won’t shut up“ heißt es da immer wieder.

Und sogar Hunde bellen

Das Album:

Fiona Apple: Fetch the Bolt Cutters. Epic/Sony Music.

Das folgende „Relay“ ist das markanteste Beispiel für einen spielerischen Umgang mit der Stimme. Die Nummer beginnt ausgeprägt perkussiv – ein weiterer wichtiger Strang auf diesem Album; schließlich mündet sie in ein A-cappella-Finale, mit Apples hier ausgesprochen hoher Stimme. Der Kolportage nach haben Apple und ihre drei Musikerinnen und Musiker ihr Haus in Venice Beach zum Perkussionsinstrument gemacht, für ein Trommeln, Kratzen und Schaben fern einer kunsthandwerklichen Anmutung. Im titelgebenden Song lässt die 42-Jährige die Hunde bellen, das wirkt fast wie eine Verbeugung vor „Pet Sounds“, dem gloriosen Album der Beach Boys.

Von Beginn ihrer Karriere an hat sich Fiona Apple als selbstbewusste Frauenfigur eingeführt. Auch hier wieder kündet sie von verletzlichen wie widerständigen Seiten. Ein zentrales Motiv sind die Auswüchse von Männlichkeit. Das kann sehr lustig sein, wie in „Rack of His“, einem Song um einen Musiker und seine fetischisierte Gitarrensammlung. „Heavy Balloon“ dreht sich um eine zehrende Depression, mit Hoffnungsschimmer, „Ladies“ um den freundschaftlichen Umgang mit der neuen Freundin des Ex.

„Good morning, good morning/ You raped me in the same bed your daughter was born in“ – „Du hast mich in dem Bett vergewaltigt, in dem deine Tochter geboren wurde“, heißt es in dem musikalisch eher frohgemut wirkenden „For Her“, einer weiteren Nummer mit einem perkussiv-chorischen Arrangement. Der Text spielt nicht zuletzt an auf den Fall Brett Kavanaugh, dem von Trump eingesetzten konservativen Richter am Obersten Gerichtshof der USA, dem mehrere Frauen sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten. Als Zwölfjährige ist Apple selbst vergewaltigt worden, mit tiefgreifenden psychischen Folgen.

Ein Meisterwerk, nicht weniger. Der Titel geht auf die Fernsehserie „The Fall“ zurück. Eine Polizistin betritt einen Raum, in dem ein Mädchen gefoltert worden ist und befiehlt ihren Kollegen: „Fetch the bolt cutters“ – „Holt die Bolzenschneider“. In diesem Sinne: ein Kampfruf auch das.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion