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Filmmusik in Wiesbaden: Die Musik der Helden

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Von: Marcus Hladek

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Von oben betrachtet: Das ausverkaufte Filmmusikkonzert im Wiesbadener Kurpark. Foto: Ansgar Klostermann
Von oben betrachtet: Das ausverkaufte Filmmusikkonzert im Wiesbadener Kurpark. Foto: Ansgar Klostermann © Ansgar Klostermann

„The Sound of Hans Zimmer & John Williams“ beim Rheingau Musik Festival.

Wie immer man zu Filmmusiken und ihrer neo-symphonischen Richtung stehen mag: am Wiedererkennungswert des „Sound of Hans Zimmer & John Williams“ für Streifen von „Superman“ über „Schindlers Liste“ bis „Pirates of the Caribbean“ gibt es keinen Zweifel. Greifbar wurde das jetzt beim Rheingau Musik Festival im Wiesbadener Kurpark, wo das auf Filmmusik-Einspielungen und filmgeprägte Live-Konzerte spezialisierte 21st Century Symphony Orchestra („21CO“) unter diesem Titel sein ausverkauftes Konzert gab. Dirigent Christian Schumann und Musiker waren von der Freude über ihren Post-Covid-Auftritt vor 3000 angetanen Menschen so hingerissen, dass sie ihre drei Zugaben wohl auch sich selbst zuliebe spielten.

Filme wie „Indiana Jones“ sind im „Raider’s March“ von John Williams so erschöpfend präsent, weil diese Erkennungsmelodie von jinglehafter Dichte ein ums andere Mal den ganzen Abenteuergeist und Optimismus, die Entschlossenheit und graphische Stehaufmännchen-Qualität des Titelhelden einfängt. Natürlich könnte man bemängeln, noch die besten Filmmusiken stolperten an Filmbildern entlang von einem Musikzitat ins nächste: lauter unorganische Mini-Instant-Dramen im Wasserglas, die, nach solcher Logik, die Kunst an zweite Stelle setzen.

Mag sein oder auch nicht. Jedenfalls haben die besten Filmmusiken ihre großen Momente und streuen den Zauber ihrer Melodien über uns aus. Technischer und in den Worten Roman Kühnes von der Luzerner Zeitung gesagt, denn da kommt das „21CO“ her: kein Dreiklang könnte die Weite des Universums so offen und klar spiegeln wie das Hauptthema von „Krieg der Sterne“, wenn es mit einem reinen B-Dur-Akkord anhebt, Quarten als Vorgriff auf Stärke und Heldentum der erzählten Geschichte nachschiebt und mit der Brillanz seines sinfonischen Blechs und den Streichern deren Weite andeutet.

Schade, dass das Festival die auftretende Formation des „21CO“ von Ludwig Wicki nicht näher angab. In voller Stärke umfasst es neunzig Stammmusiker plus Gäste: zu viel für die Orchestermuschel nebst Bühnenvorbau. Zwar ließ die Streichervormacht kaum einen Blick auf Bläser, Piano und Schlagzeuger zu, doch darf man von etwa halber Stärke inklusive E-Gitarrist ausgehen.

Traum und Zeit in der Musik

Der 64-jährige gebürtige Frankfurter Hans Zimmer, der wirklich einmal Werbejingles komponierte und für „The Dune“ kürzlich seinen zweiten Oscar erhielt, ist bekannt dafür, auch ethnische Instrumente wie das Duduk in „Gladiator“ zu nutzen. Ob es aus dem wehmütig-schicksalhaften Stück „Patricide“ (Vatermord) herauszuhören war, wagen wir nicht zu sagen. Der Ausschnitt Zimmers zum Science-Fiction-Film „Inception“ zählte übrigens zu den raffiniertesten Stücken des Abends, da er Traum und Zeit wie selbstreflektierend in Musik übersetzte.

Wenn an Zimmer oft die sanftere Kurve und das Mindermaß an Sprunghaftigkeit gefiel, hatte Williams wohl doch die klareren Aha-Momente auf seiner Seite. Das „Schindlers Liste“-Thema fällt in seiner schlichten Trauer eben so sehr aus dem Rahmen des Mediums, dass man spontan der Anekdote glaubt, Williams habe nach Ansicht des musiklosen Films zu Spielberg gesagt, dieser benötige einen besseren Komponisten als ihn. Darauf Spielberg: „Ich weiß, aber die sind alle tot.“

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