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Susana Santos Silva und Kaja Draksler beim Deutschen Jazzfestival.
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Susana Santos Silva und Kaja Draksler beim Deutschen Jazzfestival.

Mousonturm

Fiep, gurgel, wumm

  • VonStefan Michalzik
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Großartige Konzerte zum Abschluss des Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt.

Ziemlich retro. Das ist der Eindruck beim Konzert mit Kamaal Williams aka Henry Wu im Frankfurter Mousonturm, dem Abschlussabend des 49. Deutschen Jazzfestivals. Die Musik des Trios um den Londoner Tastenspieler und Produzenten ist immens traditionsgesättigt – und hip. Durchgängig zeigt sich ein unwiderstehlicher Groove; kaum einer im nicht bestuhlten Saal, der nicht mitwippen würde. Das klassische, eher bejahrte Jazzpublikum ist bei diesem klubaffinen Ding aus der Londoner Postjazzszene weitreichend ausgeblieben. Dabei wäre es vermutlich großteils angetan gewesen von den Qualitäten dieser brillanten Musiker, dem aus dem Umfeld von Courtney Pine stammenden Pete Martin am fünfsaitigen E-Bass und dem Schlagzeuger Joshua McKenzie.

Mit Lust gibt Henry Wu den Soundwizard an den Tasten. Mit einem monströsen ostinaten Stakkato, mit Fiepen und Surren, Gurgeln und Wummern. Lebhaft führt man sich an den funky Zweig des elektrifizierten Jazz der siebziger Jahre erinnert. Das geht entschieden mehr nach vorne weg als die Musik auf dem großartigen, in diesem Jahr erschienenen Album „The Return“ oder dem experimentelleren „Black Focus“ von 2016, das Wu mit dem Duo Yussef Kamaal eingespielt hat. Das Schlagzeugspiel ist von Drum’n’Bass und Jungle geprägt; in einer dramaturgischen Steigerung schwenkt das Konzert zum Schluss in eine Nähe zum Technohouse. Rundum eine Wucht.

Einen heimlichen Höhepunkt des Festivals markierte das wohnzimmerintime Konzert zur Mittagszeit im Lokal des Mousonturms mit der slowenischen Pianistin Kaja Draksler und der portugiesischen Trompeterin Susana Santos Silva. Prägend ist vor allem – anknüpfend an Stilmittel der musikalischen Avantgarde der fünfziger und sechziger Jahre – eine Erweiterung der klanglichen Möglichkeiten der Instrumente unter Einbeziehung des Korpus und seiner Teile. Das heißt Griffe in die mitunter präparierten Saiten des Flügels und Perkussion darauf oder auf seinen Streben, und auf der Trompete Ventil- und Luftgeräusche.

Die beiden jungen Musikerinnen erbringen einen vitalen Beweis dafür, das die Möglichkeiten dieser bewährten Mittel noch lange nicht ausgereizt sind. Die Klangtexturen sind meist gedämpft. Gebannte Stille im Publikum, zweimal jeweils vierzig durchgespielte Minuten lang. Grandios.

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