Musik

Feuchte Klangaussprache

  • vonBernhard Uske
    schließen

Das „Frankfurter Chamber Brass Quintett“ in der Oper Frankfurt.

Fünf Notenpulte in weitem Halbkreis, zu deren Füßen die obligaten Schalldämpf-Objekte sowie je ein Sektkübel standen: das „Frankfurt Chamber Brass Quintett“ leistete in der Oper Frankfurt seinen Beitrag zum Plan C des Hauses in den Zeiten von Corona. „Von Barock bis Ragtime“ lautete der Titel des Abends, der die Blechbläserfamilie von Tuba, Posaune, Horn und Trompete – letztere in zweifacher Besetzung – präsentierte. Allesamt atmungsaktive Instrumente, die ihren Spucknapf brauchen, um von dem durch Luftwärme gebildeten Kondenswasser befreit zu werden.

„Wir lassen gut Wasser“, war der Kommentar des Trompeters Matthias Kowalczyk zu den ansonsten als kühlender Aufbewahrungsort geistiger Flüssigkeiten bekannten, silbrigen Eimern. Und der Satz „jetzt haben wir wieder ein bisschen Blut in die Lippen gekriegt“ – womit die Plauder-Pausen zwischen den Programmpunkten begründet wurden – verstärkte den Eindruck des physisch und organisch Verausgabenden dieser Instrumentalistengruppe im klassischen Sinfonieorchester. Wobei jetzt die Klangbildung auf dem Podium das dynamische Spektrum gar nicht bis in die akustische Gewaltsamkeit ausreizte.

Man begann mit dem Prélude zum Te Deum von Marc-Antoine Charpentier, das der Komponist einst für den Hof des Sonnenkönigs komponierte: eine allen älteren Zuhörern vertraute Melodie, die zur Hymne der Eurovisions-Sendungen des Fernsehens ab den 50er Jahren geworden war und später mit dem Slogan versehen wurde „Live und in Farbe“. Der „Radetzkymarsch der Barock-Musik“, wie der trompetende Kollege Kowalczyks, Markus Bebek, das Stück titulierte. Im Gegensatz zur feuchten Klangaussprache ihrer Instrumente herrschte bei der Conférence der beiden Trompeter trockener Witz vor, was die „bonsoir tristesse“-Atmosphäre, die ein fast leer bleiben müssender Opernsaal ausstrahlt, schnell vergessen ließ.

Chronologisch war das Programm aufgebaut, mit Spätrenaissance- und Barockmusiken sowie einem Arrangement des „Abendsegens“ aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“. Mit verhaltener Emphase und schönen Steigerungszügen gespielt, wie hier überhaupt gebundene Klangverläufe dominierten. Spitzere, kesse Idiome tauchten in Klaus-Peter Bruchmanns „Cinq pour Cinq“ auf – eine Art Jean-Françaix-Nachzügler, dem Werke von Enrique Crespo folgten. Werke jenes einstigen Soloposaunisten des RSO Stuttgart, der „German Brass“ kreierte mit Werken, die intelligent gesetzt sind, perspektivenreich, griffig und spiellaunig. Zu Gehör kamen Spirituals und Varianten davon, die der heute 79-Jährige mit rhythmischer und harmonischer Würze versehen hatte. Pointiert gaben das, neben den schon genannten Trompetern Tubist József Juhász, Hornist Stef van Herten sowie Posaunist Miguel García Casas, der zuletzt mit zwei „Ragtime Classics“ von Andy Clark sein Können zeigte.

Ein „Lustige Witwe“-Arrangement und ein blechblasiges „Muss i denn zum Städtele hinaus“, wo sich einer nach dem anderen der Quintettisten verdrückte, machten den Zugabe-Beschluss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare