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Beim Verbeugen nach dem Liederabend in der Oper Frankfurt: Die Sopranistin Annette Dasch, flankiert von dem Bariton Daniel Schmutzhard (l.) und dem Pianisten Helmut Deutsch.

Annette Dasch in Frankfurt

Feinwäsche ohne Weichspüler

Die Leichtigkeit, Beständigkeit, Abgründigkeit der Liebe: Das Ehepaar Annette Dasch und Daniel Schmutzhard singt Duette beim Liederabend in der Oper Frankfurt.

Von Bernhard Uske

Von „Orpheus“ bis „Die Frau ohne Schatten“ – die Gattenliebe des Hohen Paars gehören zu den nimbusträchtigsten Topoi in der Musik. Ewige Treue, unverbrüchliche Liebe sind dessen Pathos, das als Treibstoff noch hinter einer jeden Traumhochzeit steht. Dort, wo das Sänger-Ehepaar auch außerhalb der Oper als Erscheinung in Fleisch und Blut existiert, vermag vieles dieser Bühnen-Idealität auf es abzustrahlen.

Natürlich geht es da zu, wie überall und auch oft in der Oper. Anna Netrebko und Jonas Kaufmann: längst geschieden von ihren singenden Ehepartnern Margarete Joswig und Erwin Schrott. Aber es gibt den Idealtypus, wie ihn Leopold Simoneau und Pierrette Alarie bis zu ihrem Tod verkörperten. 2006 konnte das lange die Spitzenposition als Gluck- und Mozart-Gespann haltende Ehepaar noch Eiserne Hochzeit, also den 65. Hochzeitstag, feiern.

Davon sind etwa Eva-Maria Westbroek und Frank van Aken natürlich noch weit entfernt und auch das Ehepaar Annette Dasch und Daniel Schmutzhard, die jetzt beim Liederabend in der Oper auftraten. Schmutzhard ist seit einigen Jahren Ensemble-Mitglied an der Oper Frankfurt und dem Publikum bestens bekannt; seine Frau, spätestens seit der TV-Reihe „Annettes Dasch-Salon“ bundesweit ein Synonym für klassischen Gesang.

Nie zu viel Terzenseligkeit

Mit Duetten von Schubert, Schumann und Antonín Dvorák war das Thema der Liebe Leitmotiv des Abends, aber eine kluge Auswahl ließ die naturgemäß hier virulente Terzenseligkeit nicht zu stark sich ausdehnen. Einige Stücke von Robert Schumann in keckem, antiphonalem Format und besonders einige abgründige Lieder Peter Tschaikowskis sorgten für frischen Wind auf dem Liebesbestätigungs-Parcours.

Mit Peter Cornelius bot das Programm überdies Unbekanntes. Erst recht galt das für vier seraphisch-schwermütige Werke des 1939 verstorbenen, auch als bedeutender Parapsychologe hervorgetretenen Emil Matthiesen. Intonationen interessanter Schöpfungen, die sich irgendwo zwischen Franz Schreker und Richard Strauss sehr eigenständig bewegten. In Dasch und Schmutzhard hatten nicht nur Matthiesens „Abendweise“, „Liebesnacht“, „Sternensang“ und „Nachtseligkeit“ ideale Interpreten.

Das gesamte Programm war in feiner Vokal-Linie gehalten dank dem hellen und dezenten, apollinisch gereinigten Bariton und feinstem, unaffektiertem, unaufgeregtem Sopran, wozu die kristallklare und passgenaue Begleitung Helmut Deutschs kam. Ein vokal-pianistischer Waschgang mit Feinwäsche ohne Weichspüler.

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