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Fazil Say, Klavier, Senem Demircioglu.

Fazil Say

Fazil Say: „Die Hoffnung bleibt immer in unseren Herzen“

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Fazil Says Zyklus „Gezi Park“ beim Rheingau Musik Festival.

Eines der letzten Konzerte der Kategorie „Courage“ des Rheingau Musik Festivals war dem Pianisten und Komponisten Fazil Say gewidmet. Sein dreiteiliger Zyklus „Gezi Park“, von dem der erste Teil vor sechs Tagen in Wiesbaden erklang, gelangte jetzt auf Schloss Johannisberg mit den Partien Numero 2 und 3 zur Aufführung. Verbunden mit Liedern des 49-jährigen türkischen Künstlers, die zwischen 1994 und 2014 entstanden. Vertonungen von türkischen Autoren überwiegend des 20. Jahrhunderts.

„Gezi Park“ von 2014 nimmt Bezug auf Ereignisse in Istanbul 2013, wo wegen des Baus einer Moschee und einer Oper in einem Park Unruhen mit politischer Dimension und Toten und Verletzten ausbrachen. Mit solch inhaltlicher Konnotation von Musik stellt sich Say in eine Reihe von Werken wie „Wellingtons Sieg“ (Beethoven), „Ein Überlebender aus Warschau“ (Schönberg), „Different trains“ (Steve Reich) oder der Programmsinfonik Schostakowitschs. Werke, die der Textierung oder geprägter Musikfloskeln bedürfen, um ihre Botschaft verständlich zu machen.

Viersätzig ist Says „Gezi Park 2“ und Satzüberschriften wie „Von den Nächten des Widerstands in den Straßen von Istanbul“ über „Von der Ermordung des unschuldigen Kindes Berkin Elvan“ bis „Die Hoffnung bleibt immer in unseren Herzen“ boten das Framing, mit dem der Sinn des Ganzen vermittelt wurde. So konnten die mal heftigen, repetitiv-motorischen oder auch wirbelnden Steigerungen sowie die schlafliedhafte Ruhe wirken und neben dem fast improvisatorisch zu nennenden Artikulationsansatz des Stücks die Botschaft übertragen.

Blendend wirkte Says beweglicher, in angezogenem Tempo leicht und fließend bleibender Zugriff auch bei Ludwig van Beethovens c-Moll-Sonate „Pathétique“. Deren galoppierender Zug ebenso Elemente der französischen Musik der Revolution aufgreift wie die heroische Hymnik des langsamen Satzes oder die „Ça ira“-affinen Rotationen des Finales. Das war gelöst, dicht und und in der Vermittlung von Beethovens expressiv-individualistischer Veredelung vorbildlich.

Gesungen wurden Says Lieder von Senem Demircioglu mit einer populären Idiomen nahestehenden Stimme, sind doch die Lieder eher als Songs, ja als türkische Chansons zu bezeichnen. Der volle Mezzosopran, weniger operal ausgelegt, traf die bis ins Parlandoartige und Melodramatische gehende Klanglichkeit der überschaubaren Formen und Harmonien sehr gut..

Demircioglus Stimme war auch in „Gezi Park 3“ zu hören: als Vokalise, die wortlos markante Motivkerne umkreiste, sparsam vom Klavier unterstützt. Nach den bewegten Illustrationen von Teil 2 die Artikulation einer ins Leere gehenden Isolation.

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