Posaunist und Conférencier durch das Konzert: Nils Landgren. Foto: Wonge Bergmann / Alte Oper

4 Wheel Drive

JazzNights: Famoses Jazz-Entertainment

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Die Gruppe 4 Wheel Drive in der Alten Oper Frankfurt.

Ein rauschender Abend. Szenenapplaus immer wieder für das fulminante Solospiel, ungeheurer Jubel am Ende, stehend natürlich. Es ist ja nun mal auch ausgesprochen publikumsfreundlich, was da geboten worden ist, über den Ruch einer schnöden musikalischen Schaustellerei indes ist dieses Konzert mit der Gruppe 4 Wheel Drive in der Reihe der JazzNights in der Frankfurter Alten Oper erhaben.

Der heimliche Bandleader im Hintergrund ist zwar ganz offenkundig der Posaunist Nils Landgren, er ist auch der Präsentator für die Ansagen. Gleichwohl handelt es sich entschieden – der Bandname ist sprechend – um ein Solistenensemble, mit einer, wie Landgren es sagt, schwedisch-fränkischen Besetzung um ihn selbst und den Pianisten Michael Wollny, Lars Danielsson an Bass und Cello, sowie den Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Zum Repertoire hat jeder von ihnen eine Nummer beigetragen, der größere Teil indes besteht aus Popklassikern, von „Lady Madonna“ von den Beatles über Billy Joels „She’s Always a Woman“ bis zu Phil Collins’ „Another Day in Paradise“ und „Maybe I’m Amazed“ von Paul McCartney.

In beinahe all diesen Standards ist Nils Landgren in seiner zweiten – manche sagen gar in seiner interessanteren – Rolle als ganz hinreißender Balladensänger mit einer schwebenden Zärtlichkeit und Melancholie zu erleben, seine hohe und zerbrechliche Stimme führt er instrumental. Zunächst ist da ein Wechsel zwischen diesen Balladen und fulminant aufschäumenden Nummern mit Groove und Emphase, allweil sublim musiziert zwischen Funk, Blues und mal auch einer nostalgischen Verneigung vor dem Swing. Michael Wollny spielt auf dem Klavier mit einer fantastisch mitreißenden perkussiven Wucht, mitunter präpariert er die Saiten und der Klang wird metallisch.

Mehr und mehr öffnet sich die Musik immer wieder auch zu instrumentalen Szenen mit einer Nähe zu den musikalischen Avantgarden des zwanzigsten Jahrhunderts. Primäres Zentrum dessen ist Michael Wollny, seine Spannweite reicht in einer fokussierten Brillanz von Anklängen an den musikalischen Impressionismus und mal auch Erik Satie bis zu minimalistisch-repetitiv geprägten Passagen. Die Textur des prominentesten Bass-Solos von Lars Danielsson ist von Bach geprägt, mit einer Volte zu andalusisch/indischen Fermenten. Wolfgang Haffners Schlagzeugspiel ist geprägt von einem perkussiven Schattierungsreichtum, dann wieder treibt er die Band rhythmisch zupackend voran.

Landgren ist gleichermaßen ein Lyriker auf seinem Instrument, wie er auch mit beredt funky Läufen aufzuwarten vermag. Zum dramaturgisch forcierten Schluss hin rockt das Ensemble, unter anderem anhand von Stings „If You Love Somebody Set Them Free“. Man sieht sich prächtig unterhalten. In seiner illustren Bandbreite macht das ein Jazz-Entertainment von höchstem Rang aus, manniggestaltig sortiert, auf einem ansprechenden Niveau, ohne Ranschmeißerei. Famos.

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