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Im Konzert von Johannes Schwarz nützlich!
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Im Konzert von Johannes Schwarz nützlich!

Mousonturm Frankfurt

Fagott, Stein, Schere und auch ein Bund Karotten

  • VonHans-Jürgen Linke
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"Una Solo": Im szenischen Konzert im Mousonturm Frankfurt zeigt sich Johannes Schwarz als erstaunlicher Virtuose.

Am Anfang ist das Doppelrohrblatt, ein heikles Stück bearbeiteter Natur, das zwischen dem Fagottisten und dem S-Bogen seines Instruments vermittelt. Es ist das eigentliche Mundstück und gehört damit zum Instrument, ist aber – anders als der metallische S-Bogen – ein organisches, recht vergängliches Gebilde.

Die erste Abteilung der Performance gilt der Frage, welche verschiedenen Arten der organischen Einflussnahme auf die Tonbildung dem Fagottisten zur Verfügung stehen. Die kataloghafte und imperative Systematik der Klangerzeugungs-Techniken wirkt skurril, was darüber hinwegtäuscht, dass es hier um eine körperliche Zurichtung geht, die durch einsame Lernprozesse hindurch aus dem Menschen einen Instrumentalisten macht.

Johannes Schwarz ist ein erstaunlicher Virtuose auf dem Fagott, und er hat einen weiten musikalischen Horizont. Gregor Glogowski und Benjamin Hoesch, die in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften studieren, haben mit dem Sound-Designer Sebastian Schottke (Karlsruhe) ein szenisches Setting (Ausstattung: Friedrich Hartung) entworfen, das die konzertanten Aspekte der Performance prägnant einbindet.

Nach dem einleitenden Stück geht es an einem Tisch weiter, auf dem diverse Objekte zur Klangerzeugung genutzt werden, ohne Musikinstrumente zu sein: Stein, Schere, Kochmesser, ein Bund Karotten, Säge, Holzkasten, Kette mit Schloss, Hammer, Plastikrohr und so fort. Ein dabei entstandenes Gebilde wird in den Holzkasten gelegt, der dann zunagelt wird. Ist damit ein Geräusch vom Kontext seiner Produktion abgelöst und archiviert?

Die Substanz der Performance sind komponierte Musikstücke, bei denen das Spielen – nach Noten oder improvisiert – theatral inszeniert ist, auf Objektgruppen, Lichteffekte und eine räumliche Ordnung bezogen: Ragt das Schallstück des Fagotts nicht wie eine schwere Schusswaffe aus dem kleinen Tarnzelt (in dem sich, wie man später sieht, ein kleiner Live-Elektronik-Gerätepark befindet)? Bildet nicht die von einer Batterie in der Bühnenmitte mit Strom versorgte Lichtinstallation ein mehrdeutiges Metronom?

„Una Solo“ ist ein szenisches Solo-Konzert für einen Fagottisten und Elektronik mit Kompositionen von Mark Applebaum, Franck Bedrossian, Pierluigi Billone, Sascha Janko Dragicevic und Diego Ramos Rodriguez. Darstellung und Musik sind ein identischer Prozess. Einer, der von erheblicher Virtuosität und hoch individualisiertem Spezialistentum geprägt ist und diese auch zum Thema macht.

Der subtile Bezug auf Ted Kaczynski, den so genannten Unabomber, ist dabei nicht zwingend, aber assoziativ weiterführend. Bei Johannes Schwarz allerdings führt der Extremismus des Solisten nicht in autistische Isolation, sondern mit souveräner Bühnenpräsenz in eine generöse, der Welt zugewandte öffentlich Arbeit.

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