Schlagzeugerin und Quartettchefin Eva Klesse.
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Schlagzeugerin und Quartettchefin Eva Klesse.

Eva Klesse Quartett

Zehn Geheimnisse

  • vonHans-Jürgen Linke
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Das Album „Creatures & States“ des Eva Klesse Quartetts.

Musiker, schreibt Eva Klesse, führen ein Doppelleben: wie Nomaden auf Tournee, aber mit dem Bedürfnis nach Konzentration und Rückzug im kreativen Prozess. Ihre Komposition „Einsiedlerkrebs“ reflektiert diese sich gegenseitig durchkreuzenden emotionalen Zustände. Und das ist eine gemeinsame Grundlage aller Stücke auf dem Album „Creatures & States“: Es geht um die kompositorische Reflexion emotionaler Gehalte. Und immer wird ein kleines Geheimnis geteilt.

Zu jeder der zehn Kompositionen des Albums gibt es im Begleittext eine Geschichte; wer will, kann sie in der Musik nachempfinden. Aber auch ohne die Vorstellung eines gebürsteten Tieres bleibt in Eva Klesses Stück „Brushing Hippopotami“ die Wirkung einer anmutigen Melodie nicht verborgen. Und das Motiv vom Einsiedlerkrebs ist nur einer von vielen möglichen Interpretationsansätzen für die dynamisch und instrumentell duale Struktur dieses Stückes. Die Musik entfaltet in jedem Fall und auch ohne die dazu erzählten Geschichten einen intimen impressionistischen Reiz.

Für ein Jazz-Album erscheint das alles recht durchkomponiert. Durchkomponiert? Eva Klesse sieht da viel einerseits-andererseits – sollte man eher widersprechen oder zustimmen? Sie wählt eine Abstufung: Ja, stimmt schon, dieses Album erscheint stärker kompositorisch geprägt als frühere CDs der Band. Und so eine Studio-Situation ist nicht unbedingt dazu da, dass man die Leinen los macht. Im Konzert aber, sagt sie, trauen wir uns auch sehr expressive Spitzen und können uns gegenseitig große Freiheiten geben – auch mit diesem Material.

Intensive Ruhe strahlt

Viel wichtiger als diese jazz-typische Abwägung zwischen Spontaneität und Planung ist: Das Material, mit dem das Album „Creatures & States“ bestückt ist, lohnt all die komplexen kreativen Denkprozesse, die in die Kompositionen investiert worden sind, und das Ergebnis strahlt eine intensive Ruhe und Konzentration aus. Dass dieses Quartett seit Jahren miteinander eingespielt ist, wird selbst in der Studio-Situation offenkundig.

Vor allem zeigt sich das Klessse-Quartett als kollektives Gebilde. Nur vier der zehn Kompositionen stammen von der Schlagzeug spielenden Bandleaderin – vier sehr unterschiedliche Stücke übrigens, mit höchst individuellen Verlaufsformen und Klang-Konstellationen, komplexen melodischen Ideen, Motiven und rhythmischen Gestalten. Bassist Stefan Schönegg hat eine melancholisch grundierte kammermusikalische Komposition beigesteuert, Saxophonist Evgenij Ring zwei Stücke mit skurrilen Ideen, und Pianist Philip Frischkorn hat drei raffinierte Stücke mit ganz eigener Handschrift für das Album geschrieben. Trotz der vierfach differenzierten Musiksprache gibt es einen großen gemeinsamen Nenner: in der Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf die Eigenarten des Materials einzulassen.

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