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Die Frau mit der tiefen Stimme und die anderen drei von Another Sky. 

Pop

Es brodelt und bröckelt

  • vonNadja Dilger
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Another Sky und ihr tolles Debütalbum „I Slept On the Floor“.

In dem deutschen Jugendmagazin „Neon“ gab es einmal eine Rubrik mit dem Titel: „In was für einer Welt leben wir eigentlich“. Meistens ging es darin um Begebenheiten oder Themen, die zu schaurig schienen, um wahr sein zu können. Heute gibt es sowohl die Rubrik als auch das Heft nicht mehr, aber der Titel eignet sich als passende Charakterisierung des Londoner Rock-Quartetts Ano-ther Sky. Die Band um die Sängerin Catrin Vincent spielt auf ihrem Debütalbum „I Slept On the Floor“ mit einer Wucht, die vergleichbar ist mit dem, was einst das „Neon“-Magazin als Zeitgeschehen in Worte zu fassen versuchte.

An jeder Straßenecke

In der Single „Avalanche“ sinniert Vincent etwa über Polizeibrutalität, Rassismus und Sexismus, wie sie sich an nahezu jeder Straßenecke ereignen, ohne dass etwas dagegen unternommen wird. Dazu marschiert die Band mit elektrisierenden, schreddernden Gitarren im Takt und spricht im Refrain immer wieder: „When you hold them to account, they’ll spit you out“, was übersetzt bedeutet: Wenn du sie zur Rechenschaft ziehst, spucken sie dich aus.

Das Album

Another Sky: I Slept On the Floor. Caroline.

Das Besondere ist jedoch nicht nur die Energie, mit der Another Sky hier auftreten, sondern auch Vincents Stimme: Tief, brechend, rau – und dann wieder schillernd und in hohen Tonlagen.

Das britische Musikmagazin „NME“ beschrieb ihren Gesang als etwas, das mit nichts vergleichbar sei. Laut einer Pressemitteilung nerve es die Sängerin, dass ihre Stimme stets ein Thema sei. Denn einige Fans würden sich seit ihren ersten Auftritten im Jahr 2017 fragen, ob sich hinter dem tiefen Gesang tatsächlich eine Frau verberge.

Bei Konzerten spielen Ano-ther Sky mit Licht und Schatten, so sind die vier aus der Ferne nur schemenhaft zu erkennen. „Ich habe mich immer gefragt, warum das eine Rolle spielt“, wird Vincent zitiert. Neben ihr spielen in der Band der Gitarrist Jack Gilbert, die Bassistin Naomi Le Dune und der Schlagzeuger Max Doohan. Gefunden haben sie sich während ihrer Studienzeit an der Goldsmiths University in London.

Laut Gilbert soll die Debütplatte ein „Tagebuch“ sein, Vincent beschreibt sie als eine „Reise von der Jugend ins junge Erwachsenenalter“. In dem elektronischen Rockstück „Life Was Coming In Through the Blinds“ geht es um die Überblendung eines traumatischen Früher ins Heute, etwa wenn das Quartett darüber singt, dass man sich einmal ein Zuhause gewünscht habe, in dem es einem besser gehen möge als in der Schule. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn das nicht so wäre?

Zwölf Lieder haben sie zubereitet, die sich diesen Fragen immer neu widmen – mal elektronisch und mit Autotune wie Imogen Heap, mal postrockig wie etwa Arcade Fire. Immer aber zeitgemäß und mit einer beharrlichen Wucht.

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