Frankfurt

Eric Schaefer in der Romanfabrik: Mit dem Schlagzeug im Zen-Garten

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Eric Schaefer und sein Quartett Kyoto Mon Amour in der Romanfabrik.

Wölbbrettzither – ein merkwürdiges Wort, aber es ist nun mal die einzige im Umlauf befindliche Übersetzung für die japanische Koto, die sehr virtuos und unkonventionell von Naoko Kikuchi gespielt wird. Sie ist das japanischste Instrument in der Band Kyoto Mon Amour des Schlagzeugers Eric Schaefer, die jetzt in der Frankfurter Romanfabrik zu hören war.

Außer Eric Schaefer und Naoko Kikuchi gehören zu dem Quartett John Eckardt, Kontrabass, und Umezu Kazutoki, Klarinetten. John Eckardt fühlt sich musikalisch am wohlsten in den weiten Grenzregionen zwischen Neuer und improvisierter Musik, wo auch Naoko Kikuchi zu Hause ist (die in Japan klassische japanische Musik und bei der Internationalen Ensemble Modern Akademie zeitgenössische westliche Musik studiert hat). Umezu, im Jazz bekannt als „Doctor“ Umezu gehört seit Jahrzehnten zur improvisierenden west-östlichen Avantgarde.

Und Eric Schaefer kann offenbar einfach alles. In japanische Kultur hat er sich verliebt, als er 2012 ein Stipendium in Kyoto hatte. Er machte sich mit Zen und mit Nô-Theater, mit Steingärten, japanischer Musik und einigen einschlägigen Musikinstrumente bekannt. Und weil er nicht nur ein raffinierter Komponist und virtuoser Schlagwerker ist, sondern auch ein überaus reflektierter Zeitgenosse, macht er aus all dem keine folkloristische Japonaiserie, sondern eine eigenständige, kraftvolle und auf das Wesentliche konzentrierte Eric-Schaefer-Musik. Zu der die anderen drei auf je individuelle Weise beitragen: Eckardt mit klangreicher und zugleich dezenter Arbeit am Kontrabass, Naoko Kikuchi mit metallisch-exotischen melodischen Linien und bewegten, tiefgründigen Flächen, „Doctor“ Umezu mit seiner klaren, frei glissandierenden, biegsamen und bei aller Rauheit nie ungestümen Klarinetten- und Bassklarinetten-Artikulation.

Im Trommelrausch

Schaefers Kompositionen, mit denen die Band den größten Teil des Abends bestreitet, lassen den versammelten klanglichen Eigenheiten allen Raum und stiften zuweilen in parallel oder unisono gesetzten motivischen Linien mit rhythmischen Schlagwerk-Markierungen intensive, immer wieder überraschende klangliche Momente. Die Dramaturgie seiner Stücke erweist ihn indessen häufig als Jazz-Musiker. Als er sich allerdings zwischendurch in einen energetischen Trommelrausch steigert, klingt das weniger nach Drumset, eher nach Taiko.

Kyoto Mon Amour ist eine Band, die ihre Wirkungen mit ihrem idiomatischen Reichtum entfaltet und mit der Überraschungsfähigkeit und Intensität, mit der sie ihr Publikum mitnimmt in den Zen-Garten, durch den Taifun, ins Nô-Theater. Und dass am Ende eine Komposition Umezus am die Ereignisse von Fukushima erinnert, zeigt, wie wenig das, was diese Band aus Japan mitgebracht hat, nach vordergründiger Gefälligkeit strebt.

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