Konzert

Klassisches Erbe

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Stilvoll, wie von ihm gewohnt: Eric Clapton gab ein exklusives Konzert in der Berliner Arena.

Seit ein paar Jahren befindet sich Eric Clapton offiziell im Reiseruhestand, was für ihn heißt, dass er nicht mehr auf Tournee geht, sondern pro Saison nur noch eine Handvoll Konzerte gibt, die man bei Eintrittspreisen von bis zu 350 Euro tatsächlich exklusiv nennen darf. Eine Einladung zu den Dresdner Musikfestspielen durch den Cellisten Jan Vogler nutzte der 74-jährige Bluesgitarrist zu einem Abstecher nach Berlin, wo er am Dienstag in der bestuhlten Arena am Ostbahnhof ein erwartungsgemäß bejubeltes Gastspiel gab.

Längst gehört auch sein Oeuvre zum klassischen Erbe und wird vom Publikum entsprechend goutiert. Kaum ein Song an diesem Abend ist jünger als dreißig Jahre. Zwar nimmt Eric Clapton nach Lust und Laune weiterhin Alben auf, aber die spielen in seinem Repertoire schon lange keine Rolle mehr. Im aktuellen Fall wäre das auch ziemlich seltsam, war zuletzt von ihm doch eine Platte mit Weihnachtsliedern erschienen.

Im Grunde genommen ist es auch egal, was er spielt, es kommt darauf an, wie er es spielt. Und in dieser Hinsicht zeigte sich Clapton auf der Höhe seiner Fingerfertigkeit. Dieses elegant fließende Spiel auf den sechs Saiten seiner Stratocaster ist noch immer unvergleichlich und mag es auch so wirken, als könne er seine Soli nach all der langen Zeit im Schlaf formulieren – schon weil er sie oft mit geschlossenen Augen spielt –, so haben diese Interpretationen seiner selbst niemals etwas Transusiges.

Der Instrumentalist, der seit einem halben Jahrhundert als einer der besten Gitarristen aller Zeiten gilt (was immer das bedeuten mag), gefällt sich auch nicht in Virtuosentum, er macht einfach das, was er immer macht: Er musiziert. Und obwohl ihn seine Mitmusiker zum Teil schon seit Ewigkeiten begleiten, lassen sie sich von ihrem Bandleader nicht einfach etwas vormachen, sondern versuchen, mit ihm mitzuhalten, wie etwa sein Pianist Chris Stainton, der sich bei „Crossroads“ in einen wahren Hochgeschwindigkeitslauf auf den Tasten hineinsteigert. Sehr schön auch der kontrastierende dunklere Ton, mit dem der zweite Gitarrist Doyle Bramhall II den Chef umspielt. Bei seiner Programmgestaltung orientierte sich Eric Clapton an den Achtzigerjahren, was insofern bemerkenswert ist, da diese Zeit nicht gerade zu seiner stärksten gezählt werden kann. Private Probleme und Alkoholsucht manifestierten sich in künstlerischen Zweifeln, die dazu führten, dass er sich ein Album von dem damals extrem erfolgreichen Kollegen Phil Collins polieren ließ.

Von ihrer gemeinsamen LP „August“, nicht unbedingt eine Lieblingsplatte der Clapton-Freunde, waren „Holy Mother“ und „Tearing Us Apart“ zu hören. Was indes nur bedingt einen rehabilitierenden Effekt hatte. Ein mittelmäßiger Song wird auch durch eine passionierte Interpretation kein Meisterwerk. Da hätte man sich durchaus ein paar triftigere Stücke aus seinem umfangreichen Katalog vorstellen können.

Die Dramaturgie des Auftritts ist perfekt, natürlich. Nachdem er zur Ouvertüre mit den Blues-Standards „Key To The Highway“ und „Hoochie Coochie Man“ praktisch seinen Pflichtteil absolviert hat, erlaubt sich Clapton bei „I Shot The Sheriff“, von Nathan East mit einem federnden Bass eingeleitet, schon mal eine freiere Lesart dieser fast schon zu gut bekannten Reggae-Nummer. Die Dringlichkeit des Originals weicht einer tänzelnden Leichtigkeit und das Solo mit der Clapton den Song schließlich in die Schwebe hebt, ist ein früher Höhepunkt des Abends. Rasender Applaus. Die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen.

Danach krempelt er die Ärmel hoch und bietet, nunmehr im Sitzen, eine Reminiszenz an seine kommerziell einträglichste Phase. Das Album „Unplugged“ ist 1992 so etwas wie die künstlerische Wiedergeburt des Musikers, ausgerechnet nach dem schlimmsten Schicksalsschlag, den man sich vorstellen kann. Kurz zuvor war sein vierjähriger Sohn bei einem Fenstersturz ums Leben gekommen.

Das ihm gewidmete Lied „Tears In Heaven“ vermag einem heute noch genauso ans Herz zu gehen wie beim ersten Hören. In dem akustischen Teil mit „Driftin‘ Blues“ und einem tollen „Running On Faith“ ist auch der Allzeithit „Layla“ zu hören, in dieser verschlankten Version längst klassifiziert. Rundum gehen die Handys hoch. Für den Preis will man was mit nach Hause nehmen.

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