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Aus dem Erbe des Gospels

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Von: Stefan Michalzik

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Für gute Laune sorgend: Cory Henry und The Funk Apostles.
Für gute Laune sorgend: Cory Henry und The Funk Apostles. © Sascha Rheker

Das 48. Deutsche Jazzfestival in Frankfurt eröffnet mit dem furios aufspielenden Cory Henry und der hr-Bigband.

Wie zur letzten Ausgabe im vergangenen Jahr erstmals eingeführt, hat auch das 48. Deutsche Jazzfestival in Frankfurt wiederum mit einem auf eine populäre Zugnummer hin angelegten, dem dreitägigen Festival-Kern im Sendesaal des Hessischen Rundfunks vorgelagerten großen Konzert mit der hr-Bigband in der Alten Oper begonnen.

Der als Senkrechtstarter international von Festival zu Festival gereichte US-amerikanische Hammond-B3-Spieler und Sänger Cory Henry manifestiert in einem unbegleiteten Solo gleich zu Beginn einen ungeheuren Reichtum an dynamischen Abstufungen mit Aplomb. So dass er grundsätzlich das Zeug dazu hat, sich in die Geschichte seines Instruments einzuschreiben. Raffiniert auch, wie er mit einer Zurücknahme des Volumens spielt und tektonisch unruhige Klangwirkungen entfaltet.

Das musikalische Genom des Gospels spielt eine wichtige Rolle für das Tun des funkigen Groovemeisters. Die 150. Wiederkehr des Erscheinens der Sammlung „Slave Songs of the United States“ haben die Programmgestalter von der Jazzredaktion des Hessischen Rundfunks zum Anlass für das unter dem Anspruch einer heutigen Überschreibung der Tradition stehenden Programms „The New Gospel“ genommen.

In der ersten Hälfte des beinahe dreistündigen Abends ist Henry von allem als Organist zu erleben, später, mit seiner Band The Funk Apostels, auch als Sänger – und Showman. Der Teil mit der hr-Bigband unter ihrem Chefdirigenten Jim McNeely ist süffig und rund, mit Arrangements von federnder Eleganz und profund hervortretenden Solisten wie Peter Feil (Posaune), Heinz-Dieter Sauerborn (Altsaxofon) und Tony Lakatos (Tenorsaxofon).

Mal auch klang das wie die Musik zu einer deutschen Weltraumserie der späten 60er Jahre, Marke Peter Thomas. Angetrieben von einer fast schon sardonischen Spielfreude wartete Henry mit einem überdreht fiepigen Solo auf einem Moog-Synthesizer auf, sodann auch mit einer afrikanoid perkussiven Spielweise auf der B3. Zum ewig strapazierten „Amazing Grace“ ergehen sich die Bigband und Henry im – eigentlich ja vermeidbaren – Triefsinn, samt arg biederem Solo vom Tenorsaxofonisten Steffen Weber.

Gefällig dann der Auftritt mit The Funk Apostels. Viel Jubel, unter anderem für die beiden stimmkräftigen Sängerinnen Cassandra James und Maria Celeste. Eigene Nummern und Popstandards von „Stayin’ Alive“ bis „Proud Mary“, alles hübsch knackig gemacht. Das ist eine funky Tanzkapelle, mit George Duke als Referenzquelle in den 70er Jahren. Die intensivsten Momente hatte das in Inseln eines intimen instrumentalen Miteinanders.

Der Saal war voll, das Publikum in bester Laune. Eine Recherche nach neuen Tendenzen im Jazz war das freilich nicht.

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