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Ensemble Reflektor: Drama ohne Pathos

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Von: Stefan Michalzik

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Ensemble Reflektor. Foto: Tibor Pluto
Ensemble Reflektor. © Tibor-Florestan Pluto

Ein erfreulicher Abend in der neuen Reihe „Auswärtsspiel“ der Alten Oper Frankfurt.

Was hat Nena mit Beethoven zu tun? Das bleibt das Geheimnis des Ensembles Reflektor, das auf seinem jüngsten Album unter anderem eine schauderhafte Orchesterfassung von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ mit der achten Sinfonie zusammenbringt. Allerdings: Frisch im Zugriff klingt der Beethoven des jung besetzten, 2015 in Hamburg als selbstverwaltete Organisation gegründeten Kammerorchesters schon. Erfreulich nun der Abend mit dem Ensemble unter der Leitung der Dirigentin Holly Hyun Choe in der neuen Reihe „Auswärtsspiel“ der Alten Oper Frankfurt in der Naxoshalle. Schon bekannt von den Naxoshallenkonzerten ist die hervorragende Akustik der denkmalgeschützten Industriebasilika.

Zu ihrer Zeit genoss Emilie Mayer (1812-1833) Ansehen, wurde sogar als „weiblicher Beethoven“ gehandelt, Aufführungen auch über Deutschland hinaus sind belegt. Die Klavier- und Kammermusik wurde Frauen zugestanden, als Komponistinnen von Orchestermusik im 19. Jahrhundert sind neben Mayer nur wenige Beispiele wie Louise Farrenc (1804–1875) und Ethel Smyth (1858–1944) bekannt. Nach ihrem Tod geriet Mayer rasch in Vergessenheit, erst jüngere Forschungen haben zu einer allmählichen Wiederentdeckung geführt.

„Weiblicher Beethoven“

Die zweite Sinfonie in e-Moll, mutmaßlich uraufgeführt 1847 in Stettin unter der Leitung ihres Lehrers Carl Loewe, lässt – ähnlich wie bei Schumann und Brahms – erkennen, dass die Setzungen Beethoven immer noch starken Einfluss auf ,das Komponieren in der Romantik hatten. „Der weibliche Beethoven“ – darin mag Anerkennung wie zugleich Herablassung liegen. Es ist jedenfalls der Beethoven der frühen Sinfonien, an den man hier enkt, jener, der die Wurzeln bei Haydn und Mozart klar erkennen lässt. Zugleich komponiert Mayer in einem eigenständigen personalen Stil, zum Teil mit einer pathosfernen dramatischen Wucht.

Vor Mayers Sinfonie stand im ohne Pause durchgespielten Konzert ein Zusammenschnitt von Auszügen aus der Schauspielmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy mit solchen aus Henry Purcells „The Fairy Queen“, also zum selben Stück. Die gegensätzlichen Klangsprachen im begrenzt triftigen Wechsel: das stellte sich nicht unbedingt zwingend, aber lebendig dar. Fein abgestuft der Klang des von Holly Hyun Choe mit einem Sinn für Unter- und Zwischentöne präparierten Orchesters. Ungetrübte Begeisterung im Publikum am Ende.

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