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Ensemble Mutare in der Romanfabrik – Als wär’s eine Erzählung von E.T.A. Hoffmann

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Von: Judith von Sternburg

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E.T.A. Hoffmann in Bamberg.
E.T.A. Hoffmann in Bamberg. © epd-bild/Christiane Stock

Romantische Musik von gestern und heute mit dem Mutare Ensemble in der Frankfurter Romanfabrik.

Der Dichter E.T.A. Hoffmann wäre gerne stärker als Komponist wahrgenommen worden. Doppel-, hier: Dreifachbegabungen (denn als Zeichner konnte er ebenfalls mithalten, abgesehen davon, dass er offenbar ein äußerst fähiger Jurist war) sind anscheinend schwer auszuhalten. Pech kam dazu, das Scheitern als Kapellmeister in Bamberg, für das er mehr als einen Grund gab, aber so etwas hängt gerade einem Quereinsteiger nach. Dann die überhaupt nicht erfolglose Uraufführungsproduktion seiner Oper „Undine“ in Berlin, der aber ein kurzes Leben beschert war, weil die Ausstattung verbrannte.

Daran erinnerte nun der Komponist und Musiker Gerhard Müller-Hornbach, der bei einem Hoffmann-Konzertabend in der Frankfurter Romanfabrik die Lage gewiss realistisch einschätzte: Er stellte Hoffmann als Profi vor, als Verehrer von Mozart und Beethoven, aber auch als experimentierfreudigen Künstler. Perfekt zur Demonstration: Das Grand Trio für Violine, Cello und Klavier, dessen Scherzo – zwischen drei milden Sätzen – so bizarr und überkompliziert ist, dass einem Sehen und Hören verging. Müller-Hornbach fühlte sich an ein Labyrinth erinnert, der Vergleich zu einem Moriskentanz wäre auch nicht falsch. Und zum Schriftsteller Hoffmann passte es außerdem, indem es aus dem Nichts zwischen den Alltagssätzen hervorquoll. Es ging jedenfalls zur Sache, blitzaufmerksam dargeboten von Johannes Blumenröther (Violine), Susanne Müller-Hornbach (Cello) und Jee Young Phillips (Klavier) vom Mutare Ensemble.

Hoffmanns Musik blieb nicht allein, effektvoll der von Müller-Hornbach konzipierte Rahmen. Zuerst ein Trio Carl Maria von Webers von 1819 (in g-moll op. 63) für Flöte – Dirk Peppel –, Cello und Klavier. Das Stück wie der Komponist jeweils zehn Jahre jünger als das Grand Trio und Hoffmann und schon aus einer anderen Welt. In seiner Lebendigkeit und Erstklassigkeit war es angetan, den folgenden Hoffmann direkt herauszufordern. Aber ein Konzert ist glücklicherweise kein Wettbewerb, sondern ein Ohrenschärfer.

Am Ende George Crumbs Trio „Balaenae für drei maskierte Spieler“ von 1972, das die Weber-Besetzung 150 Jahre nach vorne katapultierte: Der Flötist sang nun mit, die Pianistin griff in den Flügel hinein, die Cellistin entlockte ihrem Instrument die feinste Katzenmusik. Man trug Maske, das Licht bläulich, eine Runde Gespensterkonzert wie aus einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann.

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