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Ensemble Modern spielt Tania León: Was den Blick bestimmt

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Von: Bernhard Uske

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Werke der afro-kubanischen Komponistin Tania León bei den „Happy New Ears“ mit dem Ensemble Modern.

Eine afro-kubanische Komponistin ist Tania León, 1943 in Havanna geboren mit französisch-spanisch-chinesischem und afrikanischem Hintergrund. Und zugleich ist sie ein Musterbeispiel für die Möglichkeiten zu einer Karriere in der weißen Welt: Dirigentin, Professorin, Gründerin von Festivals Neuer Musik sowie des Dance Theatre of Harlem, Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Sie war Beraterin für Neue Musik bei den New Yorker Philharmonikern, und ist mit Ehrendoktorwürden, Grammy-Nominierungen und 2021 mit dem Pulitzer Prize for Music ausgezeichnet worden.

Von dieser Karriere war beim Happy-New-Ears-Konzert in der Oper Frankfurt nicht die Rede, sondern nur von den Wurzeln, namentlich den schwarzen, und damit von dem rhythmischen Element ihrer Klangsprache. Ein Vorgang, der typisch ist für Fokussierungen aus dem weißen Zentrum auf die schwarze Peripherie – wenn schon afrikanisch, dann aber rhythmisch.

Operndramaturg Konrad Kuhn, der Moderator des Abends, hatte von der gegenwärtig wirkmächtigen „identitären Verbissenheit“ gesprochen, die in wohlmeinender Transformation den Blick auf die Fremde pikanterweise auch hier bestimmte.

Natürlich boten die 2019 entstandenen „Ritmicas für Kammerorchester“ Gelegenheit, den rhythmischen Parameter des Werks zu beleuchten, der mit seinem Samba-, Son- und Rumba-Duktus offensichtlich ist. Aber damit allein war das Werk nicht erkannt: die Töne-Ordnung, die man als eine Art punktuelles Serial-Design bezeichnen könnte, machte entscheidend Differenz zu nur tanzbaren, schwingenden Pulsationen.

Solche gab es überhaupt nicht bei „Singin’ Sepia“ (von 1996): fünf Liedern nach Texten von Rita Dove, die ebenfalls eine steile Karriere mit Pulitzer-Preis, Poet Laureate der USA sowie Professur und Kuratoren-Aktivität gemacht hat. Die 1952 geborene US-Amerikanerin hat in „Singin’ Sepia“ (1996) Momente des antiken Persephone-Mythos mit einer „Sklavenbiografie“ verwoben in lakonischen Versen.

Von denen allein war die Rede und nicht von der sperrigen Vertonung, die eine weitgespannte, sprungbereite, mit Glissandostürzen und punktualistischen Spitzen versehene Klangfolie war. Die Stimmführung einerseits expressiv, dann wieder beiläufig und aufgelockert. Die Vokalistin war die souveräne Keren Motseri, der waghalsige Spitzentöne abverlangt wurden und die eine performativ wirkende Stimmführung gegen das Ensemble Modern setzen musste, das unter Leitung David Niemanns gewohnt aufgeräumt und plastisch spielte.

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