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Live-Stream

Maulen und minimalistisch häkeln

  • vonBernhard Uske
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Das Ensemble Modern gibt sich im LIve-Stream das Thema „Remix“.

Remix ist ein selbstbezügliches Wort, denn Wiedervermischung ist nur Variante der Mischung: Vermischung der Mischung, was der Situation in der zeitgenössischen Musik seit Längerem durchaus entspricht. Nichts neu, aber alles ständig neu gemischt.

„Remix“ als Titel für das erste Konzert des Ensemble Modern im neuen Jahr – in der gegenwärtig üblich gewordenen Form des Live-Streams „On Air“ – war also gut gewählt, zumal obendrein ein Werk des Abends sich mit diesem Begriff selber titulierte. Georg Friedrich Haas (67) hat es im Jahr 2007 für Kammerensemble komponiert, und mit seiner Kreation endete die einstündige Aufführung aus dem Dachsaal der Deutschen Ensemble Modern Akademie im Frankfurter Ostend. Begonnen wurde mit Manfred Stahnke (69), dessen „em40“ eine Uraufführung war, die eigentlich 2020, im Jahr des 40. Geburtstags des Ensemble Modern, hätte erfolgen sollen. Eine nahezu klassische Besetzung boten Flötist Dietmar Wiesner gemeinsam mit vier EM-Streichern in Quartett-Besetzung. Ein besinnlicher, getragener Ton schwimmender und verschwimmender, tonalisierter Klangzüge. Mit gedämpfter Passioniertheit ausspielend den hinter den flächigen, dichten Fortschreitungen wirksamen Modus fast gesanglichen Verlaufs.

Mit „Ebe und Anders“ von 2014 für sieben Solisten von Pierluigi Billione (60) blieb der Habitus des vorhergehenden Stücks durchaus erhalten, wenngleich in kargerer, freigestellterer Art. Metallische, diskontinuierliche, poröse Impulsfolgen, die ab und an Spannung aufbauten und aktionistisch wurden.

Dabei waren Trompete und Posaune gegen Ende zentrale dialogische Partnerinnen in blechsattem Ausbruch, der eine Aufgebrachtheit auslöste, der auch den instrumentalen großen Rest in brodelnde Klangmobilität versetzte. Ein heterophones Maulen und Raunzen, bevor zuletzt amorphes Klingen herrschte.

Manchmal fast an Franz Schreker oder Richard Wagner denken ließen schillernde und flackernde Flächen, die zuletzt Haas’ „Remix“ bescherten. Pausenlos und eng verwebte Sequenzierungen kamen zum Zug in allen Instrumentengruppen, die sich zu Girlanden, Wogen und auch gewaltigen Kaskaden steigern konnten. Tonales schimmerte durch, ein endloses, immer neu und anders ansetzendes Klangweben. Mal mehr zum sonoren Kettenhemd, mal mehr zur minimalistischen Häkelei neigend. Abstrahiertes Feuerzauber- und Pilgerchor-Züngeln nicht nur bei den Ensemble-Streichern. Ein starker Abend, den Sylvain Cambreling mit seiner artikulierten Zurückhaltung deutlich prägte.

Ensemble Modern im Stream: Wiederholung am 30. Januar, 20 Uhr. Tickets via www.ensemble-modern.com

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