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Neue Musik

Ensemble Modern: Mit punktuellem Gezwitscher

  • VonBernhard Uske
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Das Ensemble Modern spielt britische Neue Musik.

Was Elton John oder Mick Jagger recht ist, kann den Schöpfern britischer Neuer Musik nur billig sein. Und so befanden sich unter den fünf Komponisten des Livestream-Konzerts „British Composers“ des Ensemble Modern auch zwei von Queen Elizabeth II. zum Ritter Geschlagene. Avantgardismus mit Adelsprädikat: im Vereinigten Königreich war das nie ein Widerspruch und die klangliche Wirklichkeit des common sense, dem alle Werke des Abends aus dem Sendesaal des Hessischen Rundfunks verpflichtet waren, bot dafür schöne Belege.

Sir Harrison Birtwistle war der Älteste im Bunde. Heute 86 Jahre alt, hat er vor 44 Jahren mit „Carmen Arcadiae Mechanicae Perpetuum“ einen konzertanten Parcours signalhafter Setzungen mit vielen kleinstsolistischen Einwürfen unter hoher Tempospannung geschaffen. Ein Prototyp jener vermittelnden, gestisch-dramatischen Musik von den Britischen Inseln, die ungewollt ihren Beitrag zur Auflösung des seriellen Konstruktivismus auf dem Festland leisteten.

Der andere Avantgarde-Sir, der fast eine Generation jüngere George Benjamin, war mit „Three Interventions“ (1993) präsent: schwebende, getragene, teils fast wie ein Naturlaut anmutende Atmosphären. Imaginäre Szenophonien, die zuletzt fesselnde Erwartungsspannung boten. Die 1981 geborene Helen Grimes zeigte mit ihrem 2016 entstandenen Klavierkonzert glitzernde Oberflächen, ein punktuelles Gezwitscher metallisch schwankender Klanglichter. Eine sich auf Elliott Carter und Pierre Boulez beziehende Klangkulisse mit für Neue Musik immer noch ungewöhnlich manifester lyrischer Note im zweiten Satz. Interessant zu erleben, dass dieses Moment weniger aus harmonischer als vielmehr aus artikulierter, differenzierter Satzbildung resultiert.

Oliver Knussen, der vor drei Jahren im Alter von 66 Jahren verstorbene Komponist, hat in „Songs Without Voices“ (1991) Romantik-Synthese bis hin zu einem Schimmer Tschaikowsky betrieben und dabei jetzt Michael Maria Kasper (Violoncello) ebenso wie Christian Hommel (Oboe) Gelegenheit für schöne Artikulation geboten.

Laurence Osborn war mit 32 Jahren der jüngste Komponist. „Automaton“ (2019) ist ein Cembalokonzert, bei dem Ueli Wiget an dem zweimanualigen Instrument glänzte. Barocke Allusionen sich umschlingender Sequenzierungen in einem leicht säuerlich abgeschmeckten Klang-Dressing. Cantus-firmus-Zerdehnungen: ein zauberhaftes, angedeutetes Neo-Rokoko mit couperinschen und rameauschen Oberlichtern, was der Komponist kurioserweise als eine Art Mensch-Maschine-Verbindung verstanden wissen wollte. Blendend war das teils groß besetzte Ensemble Modern, das unter Leitung des animierten Jonathan Stockhammer sowie des juvenilen Felix Schauren spielte.

Ensemble Modern: Konzertwiederholungen am 17. und 21 März, je 20 Uhr; Streaming-Tickets über die Seite www.ensemble-modern.com

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