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Happy New Ears

Ensemble Modern mit Ondrej Adámek: Nô-Theater aus abendländischen Klangquellen

  • VonBernhard Uske
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Das Ensemble Modern stellt bei den Happy New Ears höchst effektvoll Werke des Tschechen Ondrej Adámek vor.

Mickey Mousing nennt sich im Filmmusikgeschäft jene Klangbewegung, die in direkter Beziehung zu einem gestischen und visuellen Sachverhalt produziert wird und das Geschehen auf der Leinwand hauteng begleitet und verstärkt. Schlägt Bambi bei Walt Disney die braunen Augen auf, gibt es ein zartes, aufwärts gerichtetes Glissando; jagt Tom Jerry, ist es ein sausendes und jaulendes.

Ondrej Adámek, der Gast bei der Frankfurter Happy-New-Ears-Reihe, versteht sich, aus der Perspektive nichtfilmischer Musik, blendend auf jenes illustrierende Komponieren, für das er alle Errungenschaften der Neuen Musik einsetzt. Bei dem 1979 geborenen Tschechen sind es natürlich nicht Reh, Mäuserich und schwarzer Kater, sondern, wie es sich für das ernsthafte Musikgeschäft gehört, fremde Welten, namentlich der Ferne Osten mit seinen für europäische Ohren ungewöhnlichen Artikulationen. Das Nô-Theater mit den stilisierten Gesten und Vokalklängen lässt ihn zu Recht das Wort noise mit einem japanogenen Accent circonflexe schreiben: „nôise“. Geräusch in der spitzen Affektenflexion, die ein hohes Maß an grimassenhafter Theatralik für uns besitzt.

Eine reizende Tüftelei

Das mit abendländischen Instrumentalklangquellen nachzustellen, hat einen reizenden technisch-tüfteligen und unterhaltsamen Wert. Adámek stammt aus Prag und irgendwie spiegelt sich in seiner schräg klingenden Ferne auch seine Heimat mit ihrer bizarren Zeichentrickfilm-Ästhetik, der surrealen Literatur und dem kafkaesken Ambiente, das die Stadt noch heute an mancher Stelle aufweist.

Musik ist hier jedenfalls ein Transformator von Klang zu Wort, zu Bewegung, zu Bild. Im Großen Saal der Musikhochschule wurde er gebildet vom mimo-akustisch bestens aufgestellten Ensemble Modern, das unter der Leitung des Komponisten selber stand. Zwei der illustrativen Klangchoreografien, bei denen die Instrumente sprechen lernen und mit ihrem Spiel theatralische Interaktion kreieren, wurden aufgeführt. In „Chamber Nôise I“ brillierten die EM-Cellistin Eva Böcker und der EM-Kontrabassist Paul Cannon. In Karakuri“ das große Ensemble im Verein mit Landy Andriamboavonjy als einer Art Prima Ballerina, die Gesten zu Bildern werden ließ und den Laut zu Klangprozessen.

Patrick Hahn führte mit gut ausgewählten, aussagekräftigen Detailbetrachtungen durch die 90 Minuten und eröffnete einen ebenso leichten wie expliziten Zugang zur Welt des Ondrej Adámek.

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