Neue Musik

Ensemble Modern im Frankfurt LAB: Als wär’s ein Stück von Mondrian

  • vonBernhard Uske
    schließen

Souverän und ästhetisch ansprechend richtet sich das Ensemble Modern im Frankfurt LAB ein.

Nach seinen lockdownbedingten „On Air“-Live-Streams hat sich das Ensemble Modern in Frankfurt jetzt auch im Bereich der bodennahen Klangräume „coronatauglich“ gemacht. Im LAB in der Schmidtstraße gab es drei Termine über den Sonntagnachmittag und -abend verteilt, durch die abstandsgebotenen Maßnahmen zum Schutze von Musikern und Publikum durfte jeweils lediglich eine überschaubare Schar den großen Saal betreten.

So könnte das eigentlich immer bleiben, dachte man in Wahrnehmung des luftigen Raums um seinen Einzelsitz. In dem dank seiner weitgehenden Unbestuhltheit sogar fast reizvoll aussehenden schwarzen Raumkasten, auf dessen Boden Wegführungsstreifen in klarer Geometrie und feiner Rechtwinkeligkeit aufgebracht waren, als wär’s ein Stück von Mondrian oder der Minimal Art eines Sol LeWitt oder Donald Judd: eine ästhetisch ansprechende, fast prozessionshafte Regulierung des Hinein- und Hinausgehens.

Insgesamt ein Ensemble-Modern-Auftritt der Fokussierung mit Labor- und Klausurierungscharakter, dem die Neue Musik ja sowieso immer nahe gestanden hat seit den Tagen eines Arnold Schönberg und seines „Vereins für musikalische Privataufführungen“. Ein einstündiges, pausenlos gegebenes Programm, das drei Werke präsentierte, die allesamt eine thematische Fragestellung samt einer Antwort beinhalteten. „Baca II“ von Nina Šenk, einer 36-jährigen Slowenin, kreiste im wahrsten Sinne des Worts um kleine Klangzentren, die in Bewegungsfolgen gebracht waren, die so etwas wie rauen Glanz, wie schrille Rundung und schmirgelige Geschmacklichkeit vermittelten. Baca meint Glasperle und die Komposition einen Schleifvorgang des Rund- und Schönmachens. Wobei die Komponistin an die „Position anderer Künstlerinnen (oder Frauen) in der Gesellschaft“ gedacht hat.

Die Auftrittsabstinenz der letzten Zeit merkte man dem Ensemble in keinem Moment an: Präsenz, Plastizität, Präzision und Pointiertheit kamen in der im Vergleich zum angestammten Mozart Saal der Alten Oper offeneren und feineren Akustik des LAB-Saals schön zur Geltung, zumal der dirigierende David Niemann in seiner Zeichensetzung Subtilität und Gespür für Phrasierung verriet.

Gegen beliebige Klangtümelei

Das kam weiten Strecken von Klaus Ospalds „The double mingels of elements“ aus 2017/18 zugute. Ein 64-Jähriger, der in starker Gestaltbildung dem verdinglichten Materialfetisch der Avantgarde und ihrer oft völlig beliebig gewordenen Klangtümelei sich entgegenstellt. Markante Motive und Melodieansätze fast, präsentier wurde emotives Pathos in sei’s heftiger, sei’s lyrisch versunkener Art, gegen Ende sehr einsilbiger Klangflächenverharrung.

Der 44-jährige Ire David Fennessy hat sich mit seinem „Hauptstimme für Viola und Ensemble“ von 2013 einen mit 17 Minuten etwas zu lang gewordenen Witz daraus gemacht, eine Solo-Bratsche in einer Art Folk-Kompressor und einem durch Schlagzeugdonner grundierten Tutti-Toben nahezu unhörbar zu machen – trotz ihrer unendlichen Arpeggien-Abrackerei. Zuletzt war für kurze Zeit das Instrument allein, was einen finalen Genussmoment im schönen Ton der Solo-Bratschistin Megumi Kasakawa ergab, die heroisch durchgehalten hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare