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Pegasus auf der Alten Oper Frankfurt.
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Pegasus auf der Alten Oper Frankfurt.

Alte Oper Frankfurt

Enne Poppe und das Ensemble Modern: Nährlösung für Neue Musik

  • VonBernhard Uske
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Der Komponist Enno Poppe ist mit dem Ensemble Modern in der Alten Oper.

Eine komponierte Interpretation nannte Hans Zender seine Instrumentation von Schuberts „Winterreise“ einst. Die Wiederkehr alter Idiome und Formen war ein Entlastungsverfahren, mit dem man ab den 90er Jahren vom nicht mehr erfindungsstarken und entsprechend reizlos gewordenen Avantgardismus Abstand nehmen konnte, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Ein ganzes Genre sich aber vorzunehmen – das ist ein starkes Stück, und das bescherte jetzt im Ensemble-Modern-Konzert im Mozart-Saal der Alten Oper Enno Poppe. Jener ebenso gewitzte wie formstarke 52-jährige Komponist, der, wie man wieder erleben konnte, auch ein begnadeter Dirigent seiner Werke ist.

Sein musikalisches Sediment war bei dem in Köln gerade uraufgeführten „Körper“ die Big Band mit ihrem Klanghabitus, ihren Ausdrucksmustern und ihrer Verlaufsdramaturgie. Ein 21-köpfiges, kongeniales Ensemble Modern mit entsprechend stark besetzten Bläsern und Schlagzeug war hier eindeutig in seinem Element, ist der Klang des Frankfurter Ensembles doch von Haus aus blechlastig und mit einer gewissen Rauheit und Härte versehen.

Eine dreiviertel Stunde dröhnte und raste wild bewegt im tiefgestaffelten, vielstimmigen Klangzug das Geschehen. Aber ebenso in ruhiger, leiser Statuarik.

Bigband ohne Standards

Schnell wurde klar: hier will einer das Ungehobene dieses Ensemble-Typs mit seinen martialisischen wie heimeligen, extra- wie introvertierten Momenten bergen und für eine entstandardisierte Realisierung fruchtbar machen. Das war Neue Musik, aber eben eine, die sich an der Nährlösung anderer Spielarten und Klangweisen bedient.

Insofern war der Begriff „Dekonstruktion“ fehl am Platz. Vielmehr fand eine Ableitung des Big-Band-Sounds in die Gefäße der sich immer noch überraschungsstark und originell wähnenden Neuen Musik statt.

Ganz aufgegeben hat diesen Gedanken dagegen offensichtlich die 1973 geborene norwegische Komponistin Maja S. K. Ratkje, die mit „National Anthems“ (2021), ebenfalls in Köln uraufgeführt, einen langen, pseudo-dadaistischen Belehrungsversuch in Sachen Nationalismus präsentierte. Eine gute Handvoll fiktiver Hymnen samt von den EM-Musikern eingesprochenen ebenso fiktiven Beschreibungen von Land und Leuten war so witzlos wie die gesamte Lehrhalbstunde, die auch Overhead-Projektion nutzte.

Einmal durften alle mitsingen und hörte man auch, dass die Komponistin über Geräuschbildungskompetenz verfügt. Das Ganze ähnelte dennoch einer Aufführung des Leistungskurses „Musik und kreatives Schreiben“, wo Eltern gerührt den gutgemeinten und harmlosen Versuchen der Teenager lauschen.

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