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Im Licht, aber ohne Heiligenschein: Kevin Morby.

Kevin Morby

Kevin Morby: Mit Engeln und Dämonen

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Geschöpft aus der Mythenwelt der Bibel: „Oh My God“, das neue Album von Kevin Morby.

Religiös orientiert ist Kevin Morby laut eigener Aussage ganz und gar nicht. Aber er versteht Religion als eine universelle Sprache, und er schreibt ihr eine „tiefgründige Schönheit“ zu. Da jeder, gleich in welcher Art, eine Beziehung dazu habe, handle es sich um ein erstklassiges „tool“, Werkzeug, für das Verfertigen von Songs.

Kevin Morby: Oh My God. Dead Oceans/ Cargo Records.

Religiöser Motive hat sich der mit Recht hoch gehandelte, in Kansas lebende texanische Sänger und Songschreiber mit Vorgeschichte als Bassist bei der Folkrockband Woods und Sänger der Garagenrocker The Babies seit der Einspielung seines 2013 vorgelegten Solodebüts „Harlem River“ immer wieder bedient. Das nach dem geläufigen – und vom Glauben abgelösten Ausruf – „Oh My God“ benannte Album nun, sein fünftes und das erste, das er als Konzeptalbum definiert, ist zur Gänze darauf fokussiert. Schon in seinem bislang bekanntesten Song, dem 2016 in Reaktion auf die fatalen Ereignisse des Jahres wie den Attentaten von Paris und Orlando geschriebenen Protestlied „Beautiful Strangers“ hat der lockenköpfige Anfangdreißiger mehrfach den jetzt titelgebenden Verzweiflungsschrei ausgestoßen; die Einnahmen stiftete Morby an eine Initiative, die sich für eine strengere Waffengesetzgebung in den USA einsetzt.

Pophistorisch betrachtet steht das Unterfangen Konzeptalbum in dem zweifelhaften Ruf, leicht mal an einer größenwahnsinnigen Ambition zu scheitern. Das ist bei Kevin Morby mitnichten der Fall. Es ist ein gewisser Flair von Gospel, der mal stärker, mal minder ausgeprägt über den 14 Songs in kompakten fünfzig Minuten liegt. Die Instrumentation des wie schon der Vorgänger „Singing Saw“ (2016) wiederum von Sam Cohen produzierten Albums ist zumeist karg. Der hinzugezogene Gospelchor wird, losgelöst vom ursprünglichen kirchlichen Kontext, im Sinne einer popmusikalischen Inszenierung verwandt. Mal auch nur wie ein wiederkehrender Sampleschnipsel, wie in „Savannah“, einer Nummer, in der Morbys Stimme weitgehend einzig von einem Organisten begleitet wird und sich erst zum Schluss kurz ein Saxofon mit prägnanten atmosphärischen Einwürfen meldet.

Originell mit Harfe

Von der Lo-Fi-Ästhetik vorhergehender Alben rückt Kevin Morby ein gutes Stück ab, durchaus nicht zum Nachteil. Den Melodien ist eine Prägung durch den Folk eigen, die Arrangements mit Flöte, Klavier, Posaune und mal gar Harfe sind originell und wirkungsvoll. Der Song „Congratulations“ sticht mit seinem im Vergleich mächtigen, von reichlich Hall geprägten Klangbild hervor.

„Hail Mary“ – Gegrüßt seist du Maria“ – lautet ein Songtitel, ein anderer „No Halo“ – kein Heiligenschein. In der Bibel, hat Kevin Morby in einem Interview gesagt, fänden sich schöne Bilder, anhand derer sich gut Geschichten erzählen lassen. „Wilde Geschichten, die man glauben soll, mit Engeln und Dämonen – mich fasziniert das auf eine ähnliche Art wie der Wilde Westen.“ Morby definiert sich als „spirituelles Wesen mit einer weltlichen Einstellung zum Seelenvollen“; sein Blick auf die Religion sei der eines Außenstehenden.

Tatsächlich sind die Themen seiner Songs ganz weltlich: Liebe und Ängste. An sich ist nichts darunter, was aus der Reihe fallen würde. Verpackt allerdings in grandiose Metaphern. Nicht Gott sei Kevin Morby zufolge für das Begehren nach Erlösung zuständig, sondern vielmehr die Musik. „Für mich war Musik immer Therapie. Wenn es dir schlecht geht, kannst du immer noch etwas singen.“

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