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Howe Gelb Konzert Zoom

Eminenz mit höherem Witz

Ein listig-lässiger Howe Gelb war im Frankfurter Zoom zu Gast. Sein jüngstes Album ist schwach, seine Konzerte aber sind denkwürdig.

Von Stefan Michalzik

Man mag es schon lange in einem scheinbaren Widerspruch für berechenbar halten, dass man bei Howe Gelb nie so genau weiß, mit welcher musikalischen Wendung er im nächsten Moment aufwarten wird. Seit 1980 macht er das schon, mit seiner Band Giant Sand und seit über zwanzig Jahren gleichzeitig unter seinem eigenen Namen. Der Sänger, Gitarrist, Pianist und Songwriter aus Tucson, Arizona, mit 57 Jahren eher eine Eminenz als ein Veteran, hat in der Ära nach der Erschütterung durch den Punk ein neues Genre mit herausgebildet, auf das später der Begriff Americana geprägt worden ist.

Der angemessene – große – Erfolg ist für Howe Gelb zeit seines bisherigen musikalischen Lebens ausgeblieben, und auch an diesem Abend im Frankfurter Zoom ist der Club gerade eben leidlich gefüllt. WM-Zeiten? Spieltag ist jedenfalls keiner gewesen. Sagen wir es schonungslos: ,,The Coincidentalist“, erschienen im vergangenen Jahr, ist Gelbs bislang schwächstes Album, ungeachtet einer prominent besetzten Gästeliste mit unter anderem Will Oldham; für Gelbs Verhältnisse ist es glatt produziert. Das Konzert hingegen – denkwürdig. Wie immer.

Monströse Klangbilder

Viele Songs beginnen als Ballade und entwickeln sich zu monströsen Klangbildern, mal auch spielt Gelb unversehens eine Bluesrockgitarre von Pracht. Begleitet wird er von der Pedal-Steel-Guitar-Spielerin Maggie Björklund und dem Gitarristen Gabriel Sullivan, beide sind großartig; die Positionen wechseln später, E-Piano und Schlagzeug kommen ins Spiel.

Der Mann mit dem sonoren rauen Parlandogesang überschreibt mal originell den Blues, dann greift er den klassischen Countrygesang auf und veredelt ihn durch Brechung, er spielt Barpiano und Boogie, lässt Folk und Jazz anklingen. Angesichts mancher musikalischen Pointierung könnte man meinen, man habe es mit einem listig-seriösen Pendant zu dem zu tun, was Helge Schneider lustig meint.

Das ist waghalsig, freigeistig und irrlichternd. Die Musik ist in schiefer Weise elegant, der Vortrag wird getragen von unerschütterlicher Nonchalance, die selbstverständlich auch das Äußere mit schwarzem Anzug und stilsicher gewählter Krawatte mit Punktmuster umfasst – und die launigen Conférencen. Ein eigentümlicher Zauber zwischen melancholisch-distanzierter Beobachtung und höherem Witz geht von alldem aus, noch immer. Wenn Howe Gelb mal im Alter von Leonard Cohen angekommen sein wird – man wird sich wohl noch gern seiner lässigen Faszinationskraft hingeben.

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