Željko Lucic in Frankfurt. Foto: Barbara Aumüller
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Željko Lucic in Frankfurt. 

Frankfurter Oper

Željko Lucic im Opernhaus Frankfurt: Schuft und Nachtigall

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Der Bariton Željko Lucic mit einem Liederabend in der Oper Frankfurt, tragisch, aber doch prachtvoll.

Mit einem völlig verrückten, erwartungsgemäß aber unwiderstehlich vorgetragenen Programm war der Bariton Željko Lucic zu Gast im Frankfurter Opernhaus, seinem zu Hause, wie er es nachher in einem kleinen Dank nannte. Harte Zeiten auch für sehr berühmte Sänger. Es ist zwar herrlich, ihn gemeinsam mit 99 anderen Leuten in einem dafür viel zu großen Saal – für uns zu groß, nicht für Lucic – zu erleben. Aber natürlich stimmt hier etwas nicht. Keine Orchesterwogen, keine belebte, beleuchtete Szene, die Lucic, einem totalen Schauspieler, die angemessene Umgebung bieten könnten.

Zur ersten Nummer, Tonios Prolog aus Leoncavallos „Bajazzo“ betritt er die Bühne von der Seite, als sein Begleiter Mario Antonio Marra schon spielt. Lucic ist sofort ein serviler Finsterling, der das Beste aus seiner Lage macht. Die italienischen Stücke, so vertraut, so groß gesungen, machen das Fehlen des Orchesters bitter wie lange nicht mehr (da man sich ja an alles gewöhnt).

Lucic, das ist wirklich verrückt, aber wir spitzen die Ohren, schließt nun Lieder von Johannes Brahms an. „An die Nachtigall“ bringt ihn dazu, die Faust zu ballen, darauf muss man erst einmal kommen. Lucics Stimmbeherrschung ist bewunderungswürdig und auch zu leisen Wendungen fähig, sein Deutsch sehr gut, aber nicht so makellos, wie der verflixte Liedgesang es will. Nachher, bei einem zweiten Lied-Block mit Brahms und Schubert („Im Abendrot“) verschwimmt manches opernhaft. Jetzt aber erst einmal Umberto Giordanos „Andrea Chenier“, prächtige italienische Gewässer, bevor es zu Maurice Ravel geht: die drei Lieder zu „Don Quichotte à Dulcinée“, Raritäten, feurig und mit Finesse vorgetragen. Selbstverständlich ist es toll, Jagos Glaubensbekenntnis zu hören, ein Stück „Otello“ also, bei dem Marra den orchestralen Aufschrei am Ende möglichst effektvoll imitiert. Allerdings schwirrt einem inzwischen der Kopf.

Auf den „Maskenball“ folgt leider nur eine Zugabe, aus „Rigoletto“. Lucic hat jetzt einen Buckel, wie ist das möglich. Wie so oft bei Liederabenden von Opernstars kommt das Publikum rasend in Stimmung, als es fast vorbei ist. Von der Linie aus, die der Sänger Richtung Rampe derzeit nicht übertreten darf, wirft Lucic seine Blumen in Reihe vier (Marra erreicht mit knapper Not die zweite). Wegen der unstillbaren Nachfrage hängten die beiden einen zweiten Abend direkt am Dienstag an. Harte, aber auch irre Zeiten.

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