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Elbow, Gregor Barnett und Gregor McEwan mit neuen Alben: Keine Lust auf Rosen

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Von: Sylvia Staude

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Die Gelassenen von Elbow. Foto: Peter Neill
Die Gelassenen von Elbow. © Peter Neill

Unanstrengendes, seelenruhiges von Elbow, Gregor Barnett und Gregor McEwan.

Calm and Happy Rein optisch könnte man Guy Garvey für einen Kneipenwirt halten, der auch gelegentlich zupacken kann, wenn es gilt, einen sich daneben benehmenden Gast hinaus zu befördern. Sobald er aber singt, verpufft diese Assoziation sofort: Eine helle, sanfte Stimme schlendert, mäandert durch einen Song nach dem anderen, lässt sich Zeit, erzählt vor sich hin. „Step into the air“ heißt eine Zeile von „Flying Dreams 1“, Titelsong des jüngsten Albums, und der, der hier ins Luftige tritt, geht wohl auf Wolken, kilometerweit.

Das kann man langweilig finden; oder auch das richtige Rezept, um „Calm and Happy“, seelenruhig und glücklich zu werden, wie ein anderer der zehn Songs überschrieben ist. Auf der während der Pandemie kaum genutzten Bühne des Theatre Royal Brighton haben die Briten Elbow, deren Frontmann Guy Garvey ist, ihr neuntes Studioalbum „Flying Dream 1“ aufgenommen – das unter ihren ziemlich gelassenen Alben das vielleicht gelassenste ist. Elbow gelten als Rockband, aber die freundlichen Lieder von „Flying Dream 1“ möchte man kaum noch als Rock bezeichnen. „I‚m falling in love with you“, singt Garvey in „Six words“ zu Pianogeklimper, und der Chor stimmt ein mit „Now I know your singbird soul“, jetzt kenne ich deine Singvogel-Seele.

„Wir lieben geduldige, ruhige, ganze Alben“, haben Elbow anlässlich von „Flying Dream 1“ zu Protokoll gegeben. Und haben sich gleich selbst an dieses Rezept gehalten.

Die Alben

Elbow,: Flying Dream 1. Polydor/Universal.

Gregor Barnett: Don’t Go Throwing Roses In My Grave. Epitaph/Indigo.

Gregor McEwan: Four Seasons. Stargazer.

Calm and Happy? Wörter, die sich gewiss nicht aufdrängen beim Hören des ersten Soloalbums von Greg(or) Barnett, Gitarrist und Co-Frontmann der Pop- und Punkrock-Band The Menzingers. Eher stürmisch und verzweifelt. Titelsong „Don’t Go Throwing Roses In My Grave“, schmeiß’ bloß keine Rosen in mein Grab, ist eine klare Ansage, eine Absage an jede Gefühligkeit und Beschönigung. Seine Familie habe in der Corona-Zeit mit Krankheit, Not und Tod kämpfen müssen, gab Barnett vor Veröffentlichung zu Protokoll.

Weitere Lieder sind überschrieben „Talking to Your Tombstone“ und „The First Dead Body I Ever Saw“. Er sieht nicht nur seinen ersten Toten, spricht mit dem Grabstein, er fährt durch die Nacht, möchte sich in den Hades führen lassen, sitzt an einer Greyhound-Busstation, hoffnungslos. Das klingt nicht gut. Wird aber auch mit Hilfe seiner Menzingers-Bandkollegen Eric Keen, Bass, und Joe Godino, Schlagzeug, in Lieder voller Wumms und Düsternis verpackt. In dringlich-dunkle Songs, aber doch auch eingängige. So dass da doch die ein oder andere dekorative Rose in der Mischung gelandet sein muss. „Oh Lord, what do you know? Is it too late to save my soul?“ Zu Gregor Barnetts Seele und ob sie gerettet werden kann, können wir nichts sagen, aber in seiner Musik lässt sich schwelgen, und das keineswegs unter Niveau.

Rosen? Hätten durchaus ein Thema sein können auf der EP „Summer Breeze“. Die Gregor McEwan (eigentlich Hagen Siems, aber vielleicht dachte er, er wird als Hagen Siems in diesem Job nichts) nun zusammen mit den je vier Titeln von „Spring Forward“, „Autumn Falls“ und „Winter Sleep“ veröffentlicht als ansehnliches (anhörliches?) Paket: „Four Seasons“. (Kein Vergleich mit Vivaldi beabsichtigt.)

Von allen drei hier vorgestellten Herren erinnert der in Berlin lebende McEwan, seit er Solopfade eingeschlagen hat, am ehesten an traditionelle angelsächsische Singer-Songwriter. „Traditionell“ soll nicht bedeuten, dass er einfallslos ist – aber eben auch kein Neuerer. Ein Erzähler, meist in gemessenem Tempo. Seiner hübschen, leicht angerauten Stimme hört man gerne zu, die Instrumentierung lässt ihr im Normalfall den Vortritt. Neben zartem Akustik-Gitarrengeplinker bratzt auch mal eine Trompete („Fwd: Spring“). Und ein herbstlich-melancholisches Kleid trägt die „Ode To Oh“, vom „Oh“-Refrain bis zum von Herzen kommenden „Oh my God“. Jedenfalls ist selbst der „Lousy Lullaby“, das lausige Schlaflied, zum Ende der Winter-Songs ein feines kleines Stückchen. Sylvia Staude

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