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 Ela Minus.
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Ela Minus.

Ela Minus

Die Macht der kleinen Tat

  • vonStefan Michalzik
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Zwischen Song, Technohouse und Ambient: Die New Yorkerin Ela Minus und ihr Debüt „Acts of Rebellion“.

Die Präsenz der geradlinigen Bassdrum ist ein leitendes, dabei mitnichten durchgängiges Motiv auf „Acts of Rebellion“, dem Debütalbum von Ela Minus. Bei dem Gros der zehn Nummern handelt es sich um eine Hybridform zwischen Song und Track. Obgleich es ihr um die großen Themen wie Autoritarismus, Kapitalismus, Kolonialismus und Tod gehe, stecke die Rebellion für sie in den kleinen Taten des Alltags, hat die im New Yorker Stadtteil Brooklyn lebende kolumbianische Elektropopmusikerin in einem Interview gesagt. Sie liebt Slogans, manch einer klingt nach praktischer Lebenshilfe: „they told us it was hard, but they were wrong“ heißt der erste Song. Sein Refrain geht weiter: „when we love, we love it all and nothing is impossible“.

Der musikalische Weg von Ela Minus, die von Geburt Gabriela Jimeno heißt, hat mit 13 Jahren als Schlagzeugerin in einer Hardcore-Punk-Band begonnen; später hat sie in der Jazzklasse der renommierten Berklee School of Music in Boston studiert. Zugleich jedoch teilt sie mit Kraftwerk, die sie zu ihren Vorbildern zählt, die Liebe zur Maschine. In Brooklyn hat sie für eine Firma modulare Synthesizer gebaut und repariert. Den Gebrauch von Laptops lehnt sie aus dem DIY-Gedanken heraus ab, im Studio wie bei Konzerten benutzt sie ausschließlich analoge Hardware.

Das Album

Ela Minus: Acts Of Rebellion. Domino Records/GoodToGo.

Die elektronisch chorisch aufgefächerte Stimme der Dreißigjährigen klingt schleierhaft verhangen. „El cielo no es de nadie“ ist der Titel jener – teils in spanischer Sprache gesungenen – Nummer, die mit ihrem Technohousebeat am offensivsten von allen auf die Tanzfläche zielt. Gewissermaßen komplementär dazu verhält sich die Ballade „Close“, ein inniges Duett mit der sanften Stimme des ecuadorianischstämmigen New Yorker Musikers Helado Negro, das die Grenze zum Kitsch tangiert.

Der wummernde Technokracher „Megapunk“ markiert einesteils eine Verbeugung vor Ela Minus’ musikalischen Anfängen, zugleich stellt er eine Manifestation dar. Der vielfach wiederholte Slogan „You won’t make us stop“ zielt zuallererst auf das Verhältnis zwischen Frauen und Männern. In Partnerschaften sei sie immer wieder unterdrückt worden, nach dem Muster: „Arbeite doch nicht so viel!“ Übersetzt: Nimm dich zurück – sei mehr für mich da. ,,Ich wollte dieses Lied schreiben, als Hymne für Frauen. Als Hymne für den Feminismus!“ „Do whatever you want, all the time“ lautet ein anderer Titel.

„They told us it was hard, but they were wrong“ ist ein musikalisch schillerndes Album. Immer wieder finden sich zwischen den Songs ambienthafte Instrumentals von kurzer Dauer. „N19 5NF“ heißt jenes, das noch vor dem ersten Song steht. Es handelt sich um den Postcode im Viertel um das Whittington Hospital in London. Dort, hat Ela Minus erzählt, sei sie vor einem Jahr beinahe gestorben, nach einer Klubnacht, in der sie mit den falschen Leuten unterwegs gewesen sei. „N19 5NF“ betrachtet sie als einen Ort des Neuanfangs.

Insbesondere „let them have the internet“ zeichnet sich ob seines improvisatorischen Charakters durch eine Neuaufmischung der Errungenschaften des Krautrocks aus. Über Kraftwerk hinaus nennt Ela Minus die frühen Daft Punk als Quell der Inspiration, die einen wie die anderen wegen ihres Ansatzes einer elektronischen Musik, die „sowohl innerhalb als auch außerhalb des Clubkontextes existieren kann“. Was ja prächtig in diese Zeit passt.

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