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Es dominiert ihre Stimme: Nicki Minaj auf Tour.

Nicki Minaj

Eine Strophe plus Refrain

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Die Rapperin Nicki Minaj, unverwechselbar in der Festhalle.

Die Festhalle ist nicht ganz ausverkauft zum Auftritt von Nicki Minaj. Eigentlich war die Tour mal angekündigt als eine gemeinsame mit dem Mumble Rap-Superstar Future. Die Tickets, so lässt sich lesen, verkauften sich in den USA sehr schlecht, irgendwann sprang Future ab. Ihn ersetzt nunmehr Juice Wrld aus Chicago. Der ist zwanzig Jahre alt und noch näher dran an dem aktuell besonders erfolgreichen Hip-Hop: Mal gelabelt als Sad Rap, mal als Emo Rap, bezieht er sich stark auf die Gitarrenmusik von vor zehn, fünfzehn Jahren, auf den Emo und Punk.

Die chauvinistische Härte des Gangsta Rap ist in ihm fast ganz getilgt, das Tempo ist langsam, unter den herzblutenden Gitarren ein langsamer, bouncender Bass, tief und tiefer. Juice Wrld rappt über die ersten Toten des Genres, XXXTentacion und Lil Peep. Verwaschene Samples von Gitarre, Bass, Schlagzeug. „Phone home. I need to phone home. I’m throwing rocks at your window, I need to go home.“

In der längsten Umbaupause der Welt laufen Werbeclips für Lipgloss und Mercedes über die Leinwände, es läuft die Musik maximaler Eiseskälte, aktuelle elektronische Tanzmusik. Nicki Minajs Gesicht erscheint in einem Werbeclip, Kreischen. Die Frauen hier tragen Jumpsuits, die Männer Trainingsanzüge. Ist das Gemütlichkeit, oder eine Fortsetzung der Militärkleidung (Bomberjacken, Doc Martens und so weiter), die in den letzten Jahren die Straßen dominierte, geht es um Selbstgenuss oder das Fitsein, immer, überall? Auf einem Ärmel steht: „Respect me. Trust me.“ Es sind endlich mal mehr Frauen als Männer da, sie und ihre Stimmen bestimmen den Abend.

Nicki Minaj ist die erfolgreichste Rapperin der Welt, sie hat hunderte Millionen Alben verkauft. Sie neigt bei diesem Konzert nicht zu sehr zum Grellen und Neonfarbenen, das ihre Musik manchmal sehr zuckrig werden lässt. Sondern es dominieren einerseits der Bass und andererseits ihre Stimme. Minaj rappt sehr klar, sehr artikuliert, jedes Wort ist zu verstehen, ihre Technik und ihre Unverwechselbarkeit überstrahlen immer wieder die einzelnen Songs. Es wäre spannend gewesen, ihren technischen Flow neben dem weggetretenen Silbenverwischen von Future zu erleben.

Sie spielt fast vierzig Songs, vieles davon deutet sie nur an, anderthalb Minuten und eine Strophe plus Refrain. Auch das ist sehr zeitgeistig, die Idee einer großen Erzählung, die all das zusammenführen wollte, ist aufgegeben. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist schlicht das, was Popmusik momentan tut.

Später fragt sie, wer noch zur Schule gehe. Tausende Stimmen, vor allem jene der Frauen, schreien auf. Minaj sagt, sie sollten bloß den Abschluss machen, damit sie sich das Haus und das Auto selbst kaufen können. Und, in einer giftig-entlarvenden Verkehrung der Geschlechterklischees, fragt sie direkt hinterher, wo die Männer mit großem Penis seien.

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