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Carsten Meyer, Lucas Kochbeck.
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Carsten Meyer, Lucas Kochbeck.

Summer in the City

Eine Polonaise, allein

  • VonStefan Michalzik
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Mit Trashfaktor: Carsten „Erobique“ Meyer und Lucas Kochbeck eröffnen die Reihe Summer in the City.

Weiße Hemden mit Krawatten und schwarze Hosen tragen die beiden, wenn es kühler ist, wählen sie vermutlich Anzüge. Als würden sie bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen auftreten. Für einen äußerst unterhaltsamen Abend ist Carsten Meyer immer gut – so auch in diesem Konzert zur Eröffnung der vom Mousonturm ausgerichteten Reihe Summer in the City im Frankfurter Palmengarten.

Dabei beginnt er einigermaßen verhalten, mit der Zeit aber schwappen die Stimmungswogen immer höher. Einen Ruf hat sich der aus Münster stammende und seit langem in Hamburg lebende Musiker Ende der neunziger Jahre unter dem retrogeprägten Alias Erobique erspielt. Das Prinzip des Alleinunterhalters an der Hammondorgel (und weiteren Tasteninstrumenten) überführte er dabei in die Popkultur. Er war ein Teil des Elektrofunk-Trios International Pony, hat Musik für Filme geschrieben und fürs Theater komponiert, unter anderem für Herbert Fritsch und Stefan Pucher; der Soundtrack zur Comedy-TV-Serie „Der Tatortreiniger“ stammt von ihm.

Derzeit ist er zusammen mit dem großartigen Schlagzeuger Lucas Kochbeck unterwegs. Der ersetzt praktisch das Rhythmusgerät, während Carsten Meyer das Prinzip des Alleinunterhalters der anderen Art beibehält. Zunächst sind noch ein paar technische Details zu klären, das erste Stück, die Titelmelodie zu „Der Tatortreiniger“ muss einige Male neu angesetzt werden. So läuft es an dem Abend: zwei mit allen Wassern gewaschene Musiker umgeben sich auch einmal mit dem Flair von DIY.

Auf Grundlage hauptsächlich der lange zurückliegenden Discofunk- und Easy-Listening-Ära betreibt Carsten Meyer ein lustvolles Spiel mit Sounds und Rhythmen. Mal klingt dies nach dem Soundtrack zu einer französischen Filmkomödie der sechziger Jahre, dann entlockt er dem Synthesizer – eine Hammondorgel hat er diesmal nicht dabei – spacig flirrende oder aberwitzig fiepende Klänge, gar retrofuturistische Psychedelia oder eine gefakte Jazzgitarre Marke George Benson – alles mit erheblichem Trashfaktor. Über die eigenen Kompositionen hinaus treiben Meyer und Kochbeck „Day Tripper“ von den Beatles und Burt Bacharachs „I Say a Little Prayer“ in diesen Klangkosmos.

Teils mit brüchig hoher, teils mit Gießkannenstimme, mitunter in gezieltem Ungesang singt Carsten Meyer amüsante, gelegentlich improvisiert auf die Situation geprägte Reime in x-facher Wiederholung. Und er tanzt. Dreht Solo-Polonaisen-Runden auf der Bühne mit der Selbstironie eines Mannes mit fülligem Körper auf einer Betriebsfeier.

Kurzum: Dieser Mann versteht es, einen in die prächtigste Laune zu versetzen. Ein begnadeter Entertainer. „Ich darf tanzen. Ihr nicht“, singt er in Wiederholung. Spätestens als er in der Zugabe Erobique-Oldies auspackt, tun es doch alle (an ihren Plätzen). Da improvisiert Meyer etwas von „Hundertschaften Polizei/Das war es wert“.

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