Die New York Philharmoniker in Frankfurt

Eine perfekt geschmierte Maschine

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Finnische und russische Musik, wie man sie in New York gegenwärtig spielt: Das boten die New York Philharmoniker unter der Leitung von Alan Gilbert in der Frankfurter Alten Oper. Von Bernhard Uske

Finnische und russische Musik, wie man sie in New York gegenwärtig spielt, bot das Gastspiel der dortigen Philharmoniker, die in großer Besetzung über den großen Teich zu ihrer Europatournee gekommen sind.

Mit einem ästhetischen Jetlag begann der Abend im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt: einem 2009 entstandenen Nachzügler motorisch-klangflächiger Orchesterformate aus der Ära der musikalischen Grobmotorik zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Klanggestisch besänftigt allerdings und als Warming-Up für Zuhörer und Orchester gut geeignet. Magnus Lindberg, der 52-jährige finnische Komponist hat seinem Werk den Titel "EXPO" gegeben.

Da war man bei Sergej Prokofjews 2. Klavierkonzert in g-Moll von 1912/13, einem Original jener zwischen Mechanik, Brutalismus und verbohrter Innigkeit schwankenden Musik des Neo-Primitivismus, wesentlich mehr gepackt - zumal für Yefim Bronfman als Solisten die Partitur eine Paraderolle darstellt. Der schwere Körper und die Feinmotorik der Finger waren die fleischgewordene Korrespondenz der manisch hin- und herwuchtenden Klangfiguren. Ihre Sogwirkung entsteht gerade in der stoischen Repetition, im träg-aggressiven Duktus des jeweils lange an einer Stelle rotierenden Verlaufs. Die New Yorker Philharmoniker, bei Lindberg eine perfekt geschmierte Orchestermaschine, waren auch für die mal klobige, mal zerbrechliche Starrköpfigkeit Prokofjews gut aufgestellt.

Jean Sibelius´ 2. Sinfonie mit ihren motivischen Stanzfiguren und deren Wiederholungs-Plakativität wurde steif und kräftig lackiert abgewickelt. Von George Szells luzider oder Leonard Bernsteins sentimentaler Größe war Alan Gilbert, der neue und junge Chef des Orchesters weit entfernt. Sehr laut, manchmal regelrecht plärrend, war das keine Offenbarung.

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