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Pianist Michael Wollny und Vincent Peirani am Akkordeon im Großen Saal der Alten Oper.

Michael Wollny

Eine Konstellation, die aus der Reihe fällt

Der Pianist Michael Wollny und der Akkordeonspieler Vincent Peirani kommen in der Alten Oper Frankfurt ideal zusammen.

Von Stefan Michalzik

Schier hingerissen sind die Zuschauer. Enthusiastischer Jubel. Kein Wunder, ist doch die Musik von faszinierendem Reiz und betörender Klanglichkeit. Das bewegt sich auf einem hauchfeinen Grat und kippt doch nie in Gefälligkeit.

Große Meister eines an der Erweiterung des klangfarblichen Spektrums ihrer Instrumente orientierten Spiels sind sie beide: Michael Wollny, einer der fantastischsten Pianisten seiner Generation im Weltmaßstab, mit Recht in den letzten Jahren avanciert zu einem der wenigen Stars des Jazz in Deutschland, trifft den Knopfakkordeonspieler Vincent Peirani, dem in seiner französischen Heimat ein vergleichbarer Status zukommt. Die Musikalische-Liebe-auf-den-ersten-Blick-Geschichte, die Wollny in einer seiner Ansagen erzählt, erscheint plausibel.

Die Stimmen behaupten sich

Denn die beiden, so viel wurde beim Gastspiel im Zuge der JazzNights in der Frankfurter Alten Oper offenbar, harmonieren blendend miteinander. Unangefochten behauptet jede Stimme in dieser aus der Reihe fallenden Konstellation der Instrumente ihren eigenen Kosmos – dergestalt kommen sie in einer idealen Art zusammen.

Wollny bezieht sich auf den spätromantischen Duktus, dann wieder spielt er mit einer lässig versprühten Energie, kantig perkussivem Anschlag und zuweilen auch einem anarchischen Spielwitz. Peirani wiederum lässt die volksmusikalische Tradition anklingen, mit der das Akkordeon eng verbunden ist, die des Musettewalzers vor allem. Er bringt glissandohaft verschliffene, auch gepresste und rhythmisch gestotterte Töne hervor.

Immer wieder kommt es zu perkussiven Szenen. Wollny schlägt wie von ihm bekannt die Klaviersaiten direkt mit den Händen an oder er zupft sie. Peirani bringt die Knöpfe seines Instruments zum Klappern und bearbeitet den Korpus des Akkordeons. Den Song „Hunter“ aus dem Repertoire von Björk treiben Wollny und Peirani in eine hochdramatisch aufgeladene Klangsprache, mit einem Bolerorhythmus und schließlich einem gesteigerten Tastenfuror seitens Wollny.

Die Exkursionen gelten neben den eigenen Kompositionen unter anderem Stücken von Thelonious Monk und Duke Ellington, einem Song der zu Unrecht vergessenen Singer/Songwriterin Judee Sill sowie Samuel Barbers Adagio for Strings. So buntscheckig das Repertoire, so sehr sich das Klangbild Nummer um Nummer immer wieder schillernd wandelt – in der Summe wirkt das samt umstandslos gewährter Zugaben knapp zweistündige Programm beinahe hermetisch geschlossen. Es steht im Zeichen einer übergreifenden atmosphärischen Schwebe, samt Bruchlinien.

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