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Mit dem Klassiker „My Way“ von Frank Sinatra hat die Philippinerin Rose Fostanes am 14. Januar die Musiksendung „X-Factor“ in Tel Aviv gewonnen.

X-Faktor Israel

Eine Inspiration für jeden mit großen Träumen

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Sie war als unscheinbare Außenseiterin angetreten und ist heute ein Superstar: Die Gewinnerin der israelischen Version von „X-Factor“, Rose Fostanes, startet durch.

Eigentlich schwebt Rose Fostanes seit zwei Wochen auf Wolken. Aber so ein Gefühl macht leicht schwindlig. Und deshalb hält sie sich lieber an die Einstellung, „als ob sich nichts geändert hat“. Nach wie vor lebt die 47-Jährige in dem engen Apartment im heruntergekommen Süden von Tel Aviv, das sie sich mit sieben anderen philippinischen Gastarbeitern teilt. Dabei ist Rose Fostanes über Nacht ein gefeierter Star geworden, der sich vor Interviewwünschen kaum retten kann.

Dazu wartet ein Plattenvertrag auf sie, die in der israelischen Version der Reality-TV-Show „The X Factor“ als unscheinbare Außenseiterin antrat und beim Finale am 14. Januar mit Sinatras „My Way“ zur besten Sängerin gekürt wurde.

Ganz fassen kann sie ihren grandiosen Erfolg noch immer nicht. Vor sechs Jahren kam sie nach Israel, um pflegebedürftige Menschen zu betreuen. Und jetzt das! „Ich versuche cool zu bleiben, auch wenn in mir ein Vulkan brodelt.“ So wie auf der großen Fernsehbühne, auf der sie so sehr überzeugte.

Ihre Geschichte liefert den Stoff, aus dem moderne Märchen gemacht sind – wie etwa „Slumdog Millionär“. Der in ihrem Fall oft bemühte Vergleich mit „Aschenputtel“ hinkt allerdings. Es war kein Prinz, der Rose Fostanes aus ärmlichen Verhältnissen erlöst hat, sondern ihre eigene Stimme, die sie bei „X Factor Israel“ zum Liebling eines Millionenpublikums werden ließ. Die hat Soul und kann röhren wie einst Janis Joplin oder Bette Middler, die die legendäre amerikanische Sängerin so erfolgreich im Film „The Rose“ verkörperte.

Sie arbeitete als Kranken- und Altenpflegerin

Nur dass Rose Fostanes ansonsten überhaupt nicht ins Bild von Stars zu passen scheint. Gerade mal 1,50 Meter groß, dazu rund wie eine Kugel, war sie in ihren bisherigen 47 Lebensjahren eher Hänseleien gewöhnt. Manche hätten ihr abfällige Blicke zugeworfen, als ob sie von einem anderen Stern komme, bekannte sie in einer frühen Ausscheidungsrunde von „X Factor“. „Ich habe wenig Selbstvertrauen“, meinte sie damals. „Selbst wenn die Leute mir sagen, dass ich sehr gut singe, glaube ich ihnen nicht.“

Mit den Minderwertigkeitskomplexen ist es vorbei. Der philippinische Botschafter in Tel Aviv hat Rose Fostanes bei einem Empfang bescheinigt, „unser Land stolz gemacht zu haben“. Und auf ihrer Facebook-Seite schreiben ihr Fans, sie sei „nicht nur eine Inspiration für Filipinos in aller Welt sondern für jeden, der große Träume hat“. Damit muss man erst mal fertig werden. „Auf einmal kennt jeder in Israel meinen Namen“, sagt sie, ein wenig ungläubig. „Ich hätte nie gedacht, einen solch glücklichen Moment in meinem Leben zu erlangen.“

Inzwischen geht es Schlag auf Schlag. Rose Fostanes, eine bekennende Lesbin, ist zum Idol der Schwulenbewegung in Israel reüssiert. Ihre Partnerin, die sie seit bald zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte, wurde eigens von den Philippinen eingeflogen. Und Israels Innenminister Gideon Saar hat persönlich dafür gesorgt, dass ihr befristetes Gastarbeitervisum als Kranken- und Altenpflegerin in eine Arbeitserlaubnis als „Vollzeitsängerin“ verwandelt wurde.

Ganz leicht sei ihr der Antrag auf diesen Wechsel nicht gefallen, betont sie selber, weil sie doch sehr an der Familie des Pflegefalls hänge, um den sie sich jahrelang kümmerte. Mit ihr telefoniere sie noch täglich. „Ohne deren Zuspruch hätte ich mich niemals bei einer Fernsehshow auch nur beworben.“

Ihre Landsleute voteten für sie

Dabei reduzierte sich der Begriff „Filipina“ bislang für Israelis auf jene Helfer, die aufopferungsvoll und für geringen Lohn gebrechliche Menschen im Rollstuhl spazieren fahren und rund um die Uhr für sie sorgen. Selbst wenn sie aus Nepal oder Sri Lanka stammen – oft werden sie einfach „unsere Filipina“ genannt. Die allermeisten privaten Pflegekräfte kommen auch von den Philippinen, insgesamt sollen es 40 000 sein.

Ihren Landsleuten hat es Rose Fostanes neben ihrem Sangestalent vor allem zu verdanken, dass bei „X-Factor Israel“ die meisten, per SMS abgegebenen Voten auf ihren Namen entfielen.

Und noch etwas ebnete ihren Weg zum Erfolg: Die philippinische Vorliebe für Karaoke-Bars – dem billigen Freizeitvergnügen, das man sich selbst dann noch leisten kann, wenn man sonst jeden Schekel spart, um die Angehörigen daheim zu unterstützen. In „Mommy‘s Place“, einer kleinen Kneipe in Tel Aviv, sowie bei Benefiz-Veranstaltungen für Taifun-Opfer auf den Philippinen hatte Rose Fostanes ihre ersten, begeistert beklatschten Auftritte als Jazz- und Rocksängerin.

Ob ihr der Sprung zu einer großen Karriere gelingt? „Das muss sich finden“, sagt Rose Fostanes, „ein Schritt nach dem anderen.“ Im Februar will sie erst mal nach Hause, auf die Philippinen, fliegen, und dort ein Konzert geben. Schon um Bodenhaftung zu bewahren.

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