Jazz im Palmengarten

Eine Form für die Melancholie

  • vonStefan Michalzik
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Wanja Slavin und seine Band Lotus Eaters eröffnen die Frankfurter Sommer-Reihe „Jazz im Palmengarten“.

Mehr als zwanzig Musiker sind in der Band Lotus Eaters des Berliner Altsaxofonisten Wanja Slavin in den gerade mal acht Jahren des Bestehens in Erscheinung getreten. In dem der Presse an die Hand gegebenen Beizettel zu dem zuletzt erschienen zweiten Album „Salvation“ (2018) heißt es, Slavin suche einem Gourmet gleich die passenden Mitspieler für seine jeweiligen musikalischen Intentionen aus. Drei verschiedene Besetzungen gar hat er allein für dieses Album zusammengestellt. Das Verfahren trägt beachtliche Früchte: Hier wie schon im Falle von „For Very Sad and Very Tired Lotus Eaters“, dem 2014 veröffentlichten Debüt dieses wandelbaren Ensembles, bietet sich der Eindruck eines herausstechend formbewussten Musikers.

Lauter markante Musiker

Zum Auftritt in der mit immerhin vier Konzerten geretteten, von der beherzten Jazzinitiative organisierten sommerlichen Frankfurter Traditionsreihe Jazz im Palmengarten – 150 Zuschauer, ausschließlich Sitzplätze und keine Plauderpause – präsentierten sich Wanja Slavin und seine Lotus Eaters in ihrem ersten Konzert seit fünf Monaten in Septettstärke. Ein Kennzeichen der Musik dieses Großmeisters (besonders auch in der hohen Kunst des Arrangements) ist die Neigung zu orchestralen Wirkungen; zugleich bleibt weidlich Raum für ein Hervortreten der markanten Musiker: Slavin selbst auch an Synthesizer und Flöte; Philipp Gropper, Tenorsaxofon; Percy Pursglove, Trompete und Flügelhorn; Rainer Böhm, Klavier; der Bassist Matthias Pichler und James Maddren am Schlagzeug.

Ungeachtet der unverkennbaren Bezugspunkte, zuallererst Gil Evans, der wohl legendärste aller Arrangeure im Jazz, macht es sich Wanja Slavin mitnichten in der Jazzgeschichte gemütlich. Ein prägendes Element seiner Musik ist die Melancholie.

Da hat er in einem Neuzugang, dem Sänger Dexter Francis Mason, der mit seinen verträumten Liedern auch im Elektropop-Umfeld umtriebig ist, einen Geistesverwandten gefunden. Die Manier von dessen Singen ist eine sachte, gedämpfte. Wenn man sich einen polaren Gegensatz zu dem strotzenden Gesangsstil eines Frank Sinatra ausmalt, ist eine ungefähre Vorstellung davon zu gewinnen.

Zwar ist zu erkennen, worauf Dexter Francis Mason hinaus will, ernstlich übergesprungen ist der Funke indes bloß stellenweise. Hinter den Erwartungen blieb dieser Abend insofern ein Stück zurück – die wenigen instrumentalen Nummern waren entschieden die stärksten.

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