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Deutscher Darstellerpreis für Barbara Sukowa und Rolf Zacher, 1981.

Rolf Zacher

Eine Art Danebenleben

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Die Kunst des beiläufigen Dabeiseins: Zum Tod des Schauspielers und Musikers Rolf Zacher.

Lange vor der großen Finanzmarktkrise, als die Globalisierung noch als Chance und nicht als Bedrohung wahrgenommen wurde, legte das ARD-Morgenmagazin ein Börsenspiel auf, das die Fiktion des schnellen Geldes als Unterhaltungsstück offerierte. Ein Banker und ein Börsenexperte traten dabei gegen den Schauspieler Rolf Zacher an, der beim Kaufen und Verkaufen von Aktien auf Intuition anstelle von Sachverstand setzte. Das alles war vollkommen ernst gemeint, und Zacher erlaubte sich den Spaß, das Spiel zu gewinnen. Der Instinktmensch war so frei, und Rolf Zacher musste kaum mehr tun, als einfach nur er selbst zu sein.

In dieser Rolle kannte er sich aus. Rolf Zacher hat in mehr als 250 Filmen und Fernsehspielen mitgewirkt, aber in nur sehr wenigen schien er dabei einem Drehbuch zu folgen. Vielmehr drückte er den Filmen, für die er engagiert wurde, kurzerhand die Zacher-Rolle auf – unangepasste Verlierer und kleine Gauner, empfindsame Glückssucher und lebensfrohe oder auch lebensmüde Zocker. Weil er die Gunst des Augenblicks liebte, konnte er als Künstler keine Zeit damit verschwenden, wählerisch zu sein. Rolf Zacher spielte in verschiedenen Tatort- und Polizeiruf-Folgen mit, trat in der Vormittagsserie „Rote Rosen“ auf und war zusammen mit Manfred Krug in der Trucker-Serie „Auf Achse“ zu sehen.

Schauspieler-Debüt mit knapp 20 Jahren

Die Kunst des beiläufigen Dabeiseins brachte ihn 1980 auch an den Set von Rainer Werner Fassbinders Döblin-Verfilmung „Berlin Alexanderplatz“. Da hatte Rolf Zacher schon ein halbes Filmleben hinter sich. Im Alter von nicht einmal zwanzig hatte er neben Helmut Käutner in dem Film „Zu jung für die Liebe?“ debütiert, und Ende der sechziger Jahre reüssierte er in den populären Familienfilmen „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ und „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“, jeweils nach Romanvorlagen des Bestsellerautors Eric Malpass.

Die erste echte Zacher-Rolle war dann aber die des Ganoven Henry Kirscher in Reinhard Hauffs „Endstation Freiheit“ aus dem Jahr 1980, wonach er später auch seine Autobiografie betitelte. Für seinen Auftritt in „Endstation Freiheit“ erhielt Rolf Zacher 1982 den Bundesfilmpreis, und seine rastlose Art, hier und dort aufzutauchen, brachte ihm dann Rollen in Manfred Stelzers „Schwarzfahrer“, in Peter F. Bringmanns „Die Heartbreakers“ sowie in Adolf Winkelmanns „Peng, Du bist tot“ ein, eigenwilligen Achtziger-Jahre-Komödien, die sich elegant zwischen Avantgarde und Mainstream ansiedelten. Ein Hauch von „nouvelle vage“ für die 80er.

Im besten Sinne eines ernstzunehmenden Dilettantismus widmete sich Rolf Zacher dazu auch musikalischen Projekten, mit der Neuauflage der legendären Krautrock-Band Amon Düül II war er vorübergehend als Gastsänger auf Tournee. Rock’n’Roll war für Zacher aber mehr als nur Pose. „Danebenleben“ war der Titel einer Platte aus dem Jahr 2011, ein Titel, der auch seine schauspielerische Existenz charakterisierte.

Die Kunst, alles leicht zu nehmen, hatte aber auch eine schmerzvolle Seite. Die Folgen eines schweren Verkehrsunfalls hatten ihn bereits Ende der sechziger Jahre in eine Drogensucht getrieben, auf die sich laut Selbstauskunft gleich Dutzendweise Entziehungsversuche anschlossen. Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte Rolf Zacher vor zwei Jahren im RTL-Dschungelcamp, kurz danach zog der inzwischen an Demenz erkrankte, von vielen als Kultschauspieler verehrte, Rolf Zacher in ein Hamburger Pflegeheim. Dort ist der etwas andere Volksschauspieler nun im Alter von 76 Jahren gestorben.

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