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Anna B Savage. Ebru Yildiz
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Anna B Savage.

Pop

Ein Vogel auf der Schulter

  • vonStefan Michalzik
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„A Common Turn“, das außergewöhnliche Debütalbum von Anna B Savage.

Am Anfang stand der Zweifel. 2015 hatte Anna B Savage mit einer via Internet veröffentlichten EP großes Aufsehen in der Popwelt erregt. Dann sammelte sie über Jahre hinweg Songs für ihr Debütalbum – und hielt sie allesamt für missraten. Es brauchte erst das begeisterte Urteil des Produzenten William Doyle, der als Musiker auch unter East India Youth firmiert, um sie umzustimmen.

Es ist zuallererst die auffällige, zutiefst beseelte Stimme der jungen Londoner Singer/Songwriterin, die in den Bann zieht. Dunkel timbriert ist sie und voll, immer wieder tremoliert sie dramatisch. Ein wenig erinnert diese Stimme an die einst als Antony and the Johnsons bekannt gewordene Anohni, von fern auch an Joni Mitchell, wenngleich deren Stimme nicht so dunkel ist.

„Anna, sei wild!“

Das Album

Anna B Savage: A Common Turn.City Slang/ Rough Trade

Häufig sind die Songs von einer Dramaturgie der allmählichen Steigerung geprägt, mit wenig mehr als der akustischen Gitarre und der Stimme zu Beginn, im Verlauf werden die Texturen dichter und klangmächtiger, zumeist fällt das Level nach einer Weile wieder ab. Vereinzelt taucht ein House- oder ein Technobeat auf, nicht in euphorischer Variante, vielmehr eingesetzt als dramaturgisches Mittel.

Der Künstlerinnenname, Anna B Savage, will gelesen werden: „Anna, sei wild!“ Wild und erwachsen: In einem Interview erklärte sie, es gehe darum „zu lernen, sich anzupassen, zu wachsen, ernsthaft zu sein und sich wirklich f***ing Mühe zu geben“. In dem Song „A Common Tern“ (sic!) singt Savage vom Akt der Befreiung aus einer toxischen Beziehung – ausgelöst vom Anblick einer Flussseeschwalbe. Vögel stellen ein wichtiges Motiv für Anna B Savage dar; sie zeichnet sie und sie präsentiert sich im schwarzen Federkleid oder drapiert sich künstliche Vögel auf der nackten Schulter. Ein weiterer Song nimmt „Corncrakes“, Wachtelkönige als Inspirationsquelle.

Selbstzweifel sind auch in den Liedern ein wiederkehrendes Thema. In „Dead Pursuits“ fragt sich die Sängerin, ob wohl irgendjemand dem zuhört, was sie da im Studio macht. „Ich färbe mein Haar, ich esse keinen Zucker mehr, aber ich tue nur so, als wäre alles okay. Tatsächlich weiß ich nicht mehr, wie man tanzt. Die Beats sind jetzt andere. Ich weiß nicht, wer ich bin.“ Und sie macht sich immer noch Sorgen, ob das nicht vielleicht doch bloß ein mittelmäßiges Album ist.

„Chelsea Hotel #3“ erzählt von einer erotischen Nacht mit einem Mann in einem Hotel – die weibliche Sexualität ist ein weiteres zentrales Thema –, das lyrische Ich jedoch ist abgelenkt, weil aus dem Nebenzimmer die Klänge von Leonard Cohens Song „Chelsea Hotel #2“ durch die Wand dringen.

Auf Fotografien präsentiert sich Anna B Savage gerne mal mit um den Kopf gewundenem Zopf und erinnert in einigem an den Musikerinnentypus der Elfe; dann wieder zeigt sie sich einfach als junge Indiemusikerin. Entrückt wirkt sie jedenfalls nicht, und Klischees scheint sie, Elfe hin oder her, nicht bedienen zu wollen: „And I would say that I’m a feminist/(...)/’Cause I want to be strong.“ Ihre Musik ist, das hat ihr in Berlin ansässiges Label City Slang auf den Punkt gebracht, „zutiefst verletzlich, ohne unterwürfig zu sein“.

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