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Die französische Sängerin France Gall ist gestorben. (Archivbild aus den 1970er Jahren)
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Die französische Sängerin France Gall ist gestorben. (Archivbild aus den 1970er Jahren)

France Gall

"Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte"

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Die französische Sängerin France Gall, die nicht nur Schlager sang, ist im Alter von 70 Jahren in Paris gestorben.

Das Harmlose und das Skandalöse liegen im Showgeschäft manchmal nicht sehr weit voneinander entfernt. Die französische Sängerin France Gall war noch keine 18, als sie mit einem Lied des französischen enfant terrible Serge Gainsbourg 1965 in Neapel den Grand Prix Eurovision de la Chanson für Luxemburg gewann. „Poupée de cire, poupée de son“ war ein schwungvolles, orchestral unterstütztes Zwei-Minuten-Stück, in dem die jugendliche Stimme der France Gall naiv und frech zugleich wirkte. Was man in der europäischen Schlagerwelt halt für modern genug hielt, um sich gegen den immer dominanter werdenden angloamerikanischen Rock und Pop zu behaupten. „Poupée de cire, poupée de son“ handelte von einer Spielzeugpuppe, aber welche moralischen Abgründe ein Lied aus der Feder des diabolisch-verführerischen Serge Gainsbourg aufzureißen vermochte, wurde erst etwas später bemerkt. Mit dem Schlager „Les sucettes“ hatte Gainsbourg der jungen France Gall ein weiteres anspielungsreiches Stück untergejubelt, das von einem Dauerlutscher handelte, was wiederum eindeutig als Metapher für Oralverkehr gedeutet wurde. France Gall beteuerte, sie habe von der verborgenen Bedeutung des Stücks nichts gewusst, andernfalls hätte sie es niemals gesungen. Das durchtriebene Genie Serge Gainsbourg dürfte seine Freude an dem skandalösen Coup gehabt haben, lange bevor er mit dem Flüsterlied „Je t’aime… moi non plus“, das er zunächst für Brigitte Bardot geschrieben hatte, in der Version mit Jane Birkin einen lasziven Welt-Hit landete.

Unschuld als musikalisches Kapital

Für die Berliner Musikerin Françoise Cactus von der Band Stereo Total ist France Gall eine typische Vertreterin der Yéyé-Musik, mit der die Gattung des französischen Chansons in den 60er-Jahren auf erfrischende Weise konfrontiert wurde. Unter dem Namen Isabelle Geneviève Marie Anne Gall wurde sie 1947 in einem stark musikalisch geprägten Elternhaus geboren. Ihr Vater Robert Gall hatte Chansons für Edith Piaf und Charles Aznavour geschrieben, und Isabelle war noch keine 16, als ihr die Eltern erlaubten, die Schule zugunsten einer musikalischen Laufbahn abzubrechen.

Ihre auffällige Unschuld war ihr musikalisches Kapital, das France Gall nach der Gainsbourg-Affäre zunächst in Deutschland reüssieren ließ, wo sich die Schlagerbranche ganz gezielt des Charmes von Sängerinnen aus dem benachbarten Ausland bediente. Neben Rita Pavone, Siw Malmquist und Wencke Myhre verlieh France Gall der deutschen Schlagereinfalt internationales Flair, und einem Karnevalsschlager wie „Zwei Apfelsinen im Haar (und an den Hüften Bananen)“, eine Cover-Version des südamerikanischen „La Banda“, drückte France Gall das Timbre ihrer unverwechselbaren Stimme auf. In Deutschland folgten Hits wie „Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte“ und „Computer Nr. 3“, aber da hatte France Gall eigentlich schon genug vom Schlagergeschäft, das ihr den Spielraum zur Entfaltung ihres stimmlichen Reichtums vorenthielt. Durch die Begegnung mit dem französischen Sänger und Komponisten Michel Berger, der u.a. mit Johnny Hallyday und Françoise Hardy zusammengearbeitet hatte, gelang es France Gall schließlich, das Kleine-Mädchen-Image zu überwinden. Deutlichster Ausdruck ihres künstlerischen Reifeprozesses war Ende der 80er-Jahre ihr Hit „Ella elle l’a“, der eine Hommage an die amerikanische Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald war und in dem France Gall auch äußerlich auf einem Wandel beharrte, ohne ihre musikalischen Wurzeln zu verleugnen. Die Fortsetzung ihrer Karriere wurde jedoch stark von privaten Schicksalsschlägen beeinträchtigt. Ihr Ehemann Michel Berger starb 1992 mit nur 44 Jahren an einem Herzinfarkt, fünf Jahre später starb Bergers und Galls gemeinsame Tochter Pauline mit 19 Jahren an den Folgen der Krankheit Mukoviszidose. Am Sonntag erlag France Gall in Paris im Alter von 70 Jahren einem Krebsleiden.

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