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Ella Fitzgerald 1967 im Züricher Kongresshaus.
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Ella Fitzgerald 1967 im Züricher Kongresshaus.

Ella Fitzgerald

Eigentlich lieber tanzen

  • vonHans-Jürgen Linke
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Die Sängerin Ella Fitzgerald, die in allen populären Genres zu Hause war, wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Etwa die Hälfte der heute gebräuchlichen Jazz-Lexika nennt den 25. April 1918, die andere Hälfte den gleichen Tag des Jahres 1917 als Ella Fitzgeralds Geburtsdatum. Sie selbst war es, die diese Faktenlage in die Welt gesetzt hat. Ihr Biograph Stuart Nicholson datiert die Selbst-Verjüngung auf das Jahr 1947 und vermutet, sie habe bei der Eheschließung mit dem jüngeren Ray Brown noch in ihren Zwanzigern sein wollen. So können wir heute ohne ernsthafte Zweifel Ella Fitzgeralds 100. Geburtstag feiern.

Klar liegen auch die Fakten zu Tage bei der Adresse des legendären Savoy Ballroom, der 1926 mit der Adresse 596, Lenox Avenue in Harlem eröffnet wurde. Seit 1987 heißt die Lenox Avenue auch „Malcolm X Boulevard“. Das hat nichts mit alternative facts zu tun, sie hat einfach zwei koexistierende Namen.

Der Savoy Ballroom war einer der legendären Clubs, in denen der Jazz als Pop- und Tanzmusik geboren wurde, in denen die großen Swing-Orchester auftraten, in denen die umraunten Band-Battles stattfanden. Der König des Savoy war viele Jahre lang Chick Webb; er engagierte 1933 den stilbildenden Arrangeur Edgar Sampson und zwei Jahre später die gerade 18-jährige Sängerin Ella Fitzgerald.

Ella Fitzgerald wurde, so die Fakten, am 25. April 1917 in Newport News, Virginia geboren. Ihre Eltern trennten sich 1920, Mutter Temperance zog mit ihrem neuen Freund und Ella ins 400 Meilen nördlich gelegene Yonkers im Staate New York. 1932 starb die Mutter an den Folgen eines Verkehrsunfalls, Ella blieb nur kurz bei ihrem Stiefvater – was Biographen zu Verdächtigungen motivierte –, zog 1933 zu einer Tante nach New York, kam in ein Waisenhaus, dann auf eine Mädchenschule in Hudson, 120 Meilen nördlich von New York City.

Eine musikalische Ausbildung jenseits von Radiohören hatte es für sie nie gegeben. Eigentlich wollte sie Tänzerin werden und beschäftigte sich autodidaktisch mit Stepptanz. Am 21. November 1934 aber begann ihre Karriere mit dem ersten Preis bei einem Amateur-Wettbewerb im Apollo Theatre in New York. Sie habe, erzählte sie später oft, tanzen wollen, aber die vor ihr aufgetretenen Edward Sisters hätten sie eingeschüchtert, da habe sie sich spontan entschlossen zu singen: kurze Absprache mit der Band, zwei Lieder („Judy“ und „The Object of My Affection“) – Sieg.

Ein Jahr später engagierte Chick Webb sie, mit dem sie die Leidenschaft für tänzerisch inszenierte Musik teilte. Schnell wurde sie der Star des Savoy Ballroom und hatte 1938 mit „A-Tisket, A-Tasket“ ihren ersten großen Hit. Eine Märchen- und Bilderbuch-Karriere, die aber gerade erst begonnen hatte.

Ein Jahr später starb Chick Webb. Ella Fitzgerald, die parallel auch schon mit Benny Goodman arbeitete, übernahm die Leitung der Band, die sie „Ella And Her Famous Orchestra“ nannte. 1942 löste sich die Band auf, und Ella Fitzgerald startete ihre Solo-Karriere. In den folgenden Jahren entstanden legendäre Einspielungen bei den Schallplatten-Firmen Decca und Verve.

Ellas Markenzeichen waren Sparten übergreifende Universalität, die Klarheit der Intonation, die Reinheit der Stimme. Zwar gilt sie als Jazz-Sängerin, als Pionierin des Scat-Gesangs und wichtigste weibliche Stimme des Bebop. Aber sie war weder auf Jazz noch auf Blues noch auf Broadway-Musicals spezialisiert. Sie war einfach in allen populären Genres gleichermaßen zu Hause: Ella Fitzgerald war die First Lady of Song.

Es sind vor allem die acht Songbooks, die ihre künstlerische Hinterlassenschaft ausmachen und einen großen Teil des Kanons, der heute Great American Songbook genannt wird. 1956 begann sie mit „Ella Fitzgerald Sings the Cole Porter Songbook“; sieben weitere „Songbooks“ für das Label Verve folgten. Sie arbeitete mit Duke Ellington, mit Dizzy Gillespie, sie nahm mit Louis Armstrong „Mack The Knife“ auf und Gershwins „Porgy and Bess“ und wurde die populärste Sängerin ihrer Zeit in den USA.

Ihre öffentliche Existenz war makellos und skandalfrei; über ihr privates Leben ist allerdings wenig bekannt. Mindestens zwei Mal war sie verheiratet – das erste Mal mit dem Hafenarbeiter Benny Kornegay, das zweite Mal mit dem Bassisten Ray Brown, aber über die genauen Daten von Hochzeit und Scheidung herrscht Unklarheit. 1957 kursierten in der einschlägigen Presse Gerüchte über eine Ehe mit dem Norweger Thor Einar Larsen, der Heiratsschwindler gewesen sein soll. Sie spielte in mehreren Filmen, Kurzfilmen und Fernsehserien mit, gewann 13 Grammys, dazu zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter denen die National Medal of Art, die ihr Ronald Reagan 1987 verlieh, die bedeutendste ist.

Seit den mittleren achtziger Jahren häuften sich ihre Konzertabsagen aus gesundheitlichen Gründen. 1986 unterzog sie sich einer Bypass-Operation, Diabetes wurde diagnostiziert. 1991 gab sie ihr letztes Konzert in der Carnegie Hall. Bald darauf erblindete sie, beide Unterschenkel wurden ihr amputiert. Ella Fitzgerald starb am 5. Juni 1996 in ihrem Haus in Beverly Hills.

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